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Studenten-Demo: „Zeigen, dass Pegida nicht Dresden gehört“

Worum geht's? Demo, Dresden, Studenten, Toleranz, Weltoffenheit

Am 23. Januar rief die Initiative „What“ zur Demo für eine offene Gesellschaft. Rund 1.000 Menschen, schätzen die Veranstalter, waren dabei. Auch CAZ-Reporterin Nerea Eschle.

Es ist sehr kalt auf der Wiese hinterm Hörsaalzentrum und es ist schon dunkel, als um 17.30 Uhr das Organisationsteam die Bühne aufbaut und die freiwilligen Helfer letzte Vorbereitungen treffen. Kaum sind die Vorlesungen gegen 18.10 Uhr zu Ende, füllt sich die Wiese bis zur Hälfte. Das Organisationsteam hat sich gut vorbereitet; Trillerpfeifen werden ausgegeben und Flyer mit Demosprüchen, damit alle bei den Sprechchören textsicher sind.

„Warum ich hier bin? Naja, ich hatte kein Bock mehr zu lernen! Und so ein ‚Abendspaziergang‘ ist doch was Schönes“, scherzt Max, ein Wirtschaftswissenschaftsstudent im 3. Semester. Er ist mit seinen Freunden von „JuliA“, den Jungliberalen, da. Sein Freund meint: „Es ist erschreckend, dass wir für so was Grundlegendes wie Freiheit und eine offene Gesellschaft auf die Straße gehen müssen.“

Die erste Rede hält ein Mitglied von WHAT; die Abkürzung steht für „wissen, handeln, aktiv teilnehmen“. Ihre Ziele sind klar: Sie sind gegen Rassismus, gegen Menschenfeindlichkeit und fordern auf, aktiv zu werden. Zu Beginn seiner Rede fragt der Sprecher: „Wie können wir dem, was hier in Dresden passiert, etwas entgegensetzten?“ Die Antwort liege auf der Hand: Indem man für die Grundwerte wie Freiheit und Gleichheit demonstrieren geht. „Denn diese Werte fallen nicht vom Himmel.“ Er wünscht sich eine bunte, laute Demo, die sich für eben diese Grundwerte starkmacht.

Der Rektor der TU, Prof. Hans Müller-Steinhagen, spricht ebenfalls. Er betont die Notwendigkeit, für Menschlichkeit und Weltoffenheit Gesicht zu zeigen, denn es gebe Kräfte, „die geistige und materielle Mauern aufbauen wollen“.

Petra Köpping von der SPD fordert, auch im alltäglichen Leben Rassismus nicht zu dulden. Besonders im persönlichen Gespräch sollen wir unsere Meinung sagen und anderen ihre Angst nehmen. Sie sehe dort vor allem die Wählerschaft der AfD, die laut neuester Meinungsumfragen in Sachsen 25 Prozent der Wählerstimmen erreichen würden. Köpping mahnt schließlich, dass es um unsere Zukunft gehe und es an uns liege, diese zusammen in die richtige Richtung zu lenken.

Ein junger Student gibt derweil zu, dass die letzten Demos von der Stimmung her eher einem „Trauermarsch“ ähnelten. Und von seiner Wohnung am Postplatz aus könne er immer gut beobachten, dass Pegida deutlich in der Überzahl ist. Wofür dann überhaupt demonstrieren? „Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass wir das sind. Wir müssen zeigen, dass Pegida nicht Dresden gehört.“

Nach den Reden setzt sich der Demozug in Gang. Vereinzelte Sprechchöre verklingen teilweise schnell wieder. Der nächste Stopp ist am Rathausplatz, wo weitere Kundgebung stattfinden. Aus einem Lieferwagen heraus wird gegen eine kleine Spende warmer Couscous mit Chili verteilt. Für alle durchgefrorenen Demonstranten gibt es heißen Tee.

Einer der Sprecher für die Opferbetreuung der RAA (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen) musste krankheitsbedingt absagen. Nichtsdestotrotz liest ein Sprecher des Organisationsteams schockierende Zahlen aus der vorbereiteten Rede vor: An jedem dritten Tag soll laut seiner Aussage in Sachsen eine rassistisch motivierte Gewalttat begangen werden. „Beleidigung ist an der Tagesordnung“, trägt der Redner vor, „und das liegt vor allem an Pegida“. Denn die Zahlen der Anfeindungen und Übergriffe von rechter und rassistischer Seite haben seit zwei Jahren zugenommen.

Dann folgt eine leidenschaftliche Rede von Jürgen Kasek, dem Landesvorstandssprecher der Grünen Fraktion Sachsen. Er war bei den Protesten in Leipzig gegen die Legida dabei. „Wir haben es geschafft, Legida zu verdrängen und wir können das auch hier schaffen.“ Die Demonstranten jubeln. Dann äußert er auch Kritik an der CDU, die zu wenig gegen das Phänomen Pegida tue. Ein Student aus dem ersten Semester Hydrowissenschaften fand die Rede nicht so stark: „Der hat doch nur die Chance genutzt, auf der Regierungspartei CDU rumzuhaken“, meint er.

Letzter Programmpunkt vor dem Rathaus ist der interkulturelle Chor „Singasylum“, der deutsche, hebräische und arabische Lieder singt. Einer der letzten Songs enthielt die Parolen: „Kämpft für den Widerstand und haltet zusammen!“ Chor und Publikum singen gemeinsam.

Gegen halb neun zieht die Demonstration weiter zum Theaterplatz, wo noch eine kleine Schlusskundgebung stattfindet. „Ich fand die Demo friedlich und die Stimmung sehr gut“, sagt Eduard, der ebenfalls Hydrowissenschaften studiert, rückblickend. Obwohl es auf der Straße zum Postplatz zu Berührungen mit den Pegida-Demonstranten kommt, verhindert die Polizei einen möglichen Zwischenfall.

Auf dem Theaterplatz kommt eine schon deutlich kleinere Gruppe von Demonstranten an, die aber noch aufmerksam dem kurzen Redebeitrag der See-Not-Rettung und den Schlussworten eines der Hauptorganisatoren zuhört. Danach läuft Musik und die Versammlung löst sich auf.

Text und Foto: Nerea Eschle

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