Interview mit Harry S. Morgan
Harry S. Morgan, das Urgestein des deutschen Pornos, zu interviewen, ist leichter gesagt, als getan. Da er ständig unterwegs zu sein scheint, besuchen wir ihn an einem Porno-Set, um kurz mit ihm über seine Biografie zu sprechen. Christoph Straßer ist ebenfalls anwesend, angeregt unterhält er sich mit Erotik-Superstar Vivian Schmitt, die nur in Netzstrümpfen auf einem Sofa sitzt und auf ihre nächste Szene wartet.
Harry, du bist jetzt seit über dreißig Jahren als Fotograf und Regisseur im Pornogeschäft. Warum erscheint deine Biografie erst jetzt und nicht schon vor zehn Jahren?
Ich habe mich vorher einfach nie mit dem Gedanken beschäftigt, eine Biografie zu schreiben. Bis jetzt. (Grinst) Mittlerweile halte ich mein Leben auch für spannend genug, um daraus zu berichten.
Deine Biografie hast du ja gemeinsam mit Christoph Straßer geschrieben. Du hast lange Zeit als Journalist gearbeitet, lag da der Gedanke nicht nahe, das Buch alleine zu schreiben?
Nein, mir war wichtig, dass ich einen Katalysator habe. Hätte ich alles selbst geschrieben, wäre das Buch etwa 2000 Seiten stark. Für den Leser wäre zudem eine ewige Selbstbeweihräucherung einfach nur stinklangweilig geworden. Von daher war es gut, jemanden zu haben, der mich auch mal bremst und sagt: „Harry, das brauchen wir nicht.“
Und wie war die Zusammenarbeit mit Christoph Straßer?
Sehr gut. Ich war natürlich froh, einen Autor zu haben, der sich mit dem Thema Porno wesentlich besser auskennt als der normale Zuschauer, weil es mir die Arbeit erleichterte. Ich konnte reden, ohne permanent Kleinigkeiten erklären zu müssen. Außerdem ist Christoph wesentlich jünger als ich, quasi eine andere Generation, was ihm einen anderen, objektiveren Blick auf meine Person ermöglicht, als das vielleicht bei jemandem der Fall wäre, mit dem ich schon seit Jahrzehnten zusammenarbeite. Ich glaube, dass gerade diese Tatsache das Buch auch für jüngere Leute interessant macht.
Was erwartet den Leser? Ein Buch für Pornofans?
Zunächst einmal keine konventionelle Biografie, die trocken alle Stationen abhakt. Ich glaube, wir haben mit der Biografie ein witziges Buch geschrieben, das dennoch einen Überblick über den bedeutendsten Teil meines Lebens präsentiert und in dem sich der Leser auch wiederfinden kann. Gerade wenn es um meine Pärchenfilme geht, gibt es sicher die ein oder andere Stelle, an der der Leser sagt: „Stimmt, so geht es mir auch.“ Aber natürlich kommt auch jeder auf seine Kosten, der sich für das Thema Porno interessiert.
Gerade wenn Menschen aus einer speziellen Szene kommen, neigen sie dazu, sogenannte Enthüllungsbücher zu schreiben. Warum du nicht?
Warum sollte ich das tun? Wenn jemand anfängt, andere bloßzustellen oder es zu versuchen, dann ist das doch nichts weiter als reine Selbstdarstellung. Das liegt mir nicht. Abgesehen davon soll das Buch für alle Leser interessant sein, nicht nur für irgendwelche Insider. Wenn ich jetzt also schreibe, dass der X dem Y 1992 tausend Mark geklaut hat, wer hat da was von? Der Leser, der diese Leute wahrscheinlich gar nicht kennt, sicher nicht.
Okay, letzte Frage: Das Buch endet mit dem Satz: „Fortsetzung folgt“. Kommt noch mehr?
Vielleicht. Ich wollte das Ende einfach offen halten. Vielleicht schreibe ich ja in zehn oder zwanzig Jahren noch ein Buch. Eine allumfassende Biografie, die mein Leben vollständig abdeckt. Ich habe ja noch viel vor, es wird also sicher noch etwas zu berichten geben. Das schreibe ich dann aber alleine, weil es gut werden soll.
„Das kannst du dir abschminken“, lacht Christoph vom anderen Ende des Raumes. Harry S. Morgan schüttelt lächelnd den Kopf. „Befreit mich doch jetzt bitte von diesem Typen!“









