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Alin Coen Band - Einer will immer mehr

09.09.2011 von Annett Schubert

tl_files/musik/Alin_Coen_Band_Cover.jpg„Einer will immer mehr“: Nach dem Erfolg ihrer Debütplatte „Wer bist du?“ (2010) legt die Alin Coen Band sechs Songs nach. Die EP erscheint am 16. September. Im gleichen Monat vertritt das Folk-Pop-Quartett aus Weimar das Bundesland Thüringen beim „Bundesvision Song Contest“ von Stefan Raab. Ihr Song: die Single „Ich war hier“. Ein aufregender Herbst also für die bewegenden Musiker.

Wenn Alin Coen singt, dann wird es still. Eine magische Stille ist das, und als Zuhörer bleibt einem nur das Staunen. Staunen über die Zerbrechlichkeit in der Stimme, die dem zauberhaften Folk-Pop der zierlichen Sängerin das Spezielle verleiht. Eine Emotionalität, die unbedingt berührend ist. Und in ihrer Intensität an den Kollegen Philipp Poisel erinnert, mit dem Alin Coen bereits auf Tour war - und begeisterte. Längst ist es nicht mehr ruhig um die 29-Jährige, die seit 2007 als Alin Coen Band für Aufmerksamkeit sorgt und sich mit dem Debütalbum „Wer bist du?“ (2010) einen festen Platz in der deutschsprachigen Singer-Songwriter-Szene erspielt hat. „Es bewegt sich stetig vorwärts“, sagt die Musikerin, die seit drei Jahren immer mehr Leute auf ihren Tourneen erreicht und im April dieses Jahres den Deutschen Musikautorenpreis der Gema verliehen bekam. „Da war ich überrascht“, sagt die Autodidaktin, die seit etwa zehn Jahren Lieder zur Gitarre schreibt. „Dennoch fühlt sich die Entwicklung um die Band noch ganz gesund an“, freut sie sich. Vor allem die musikalische Entwicklung liegt ihr am Herzen. „Wir haben uns als Band keinen Zielpunkt gesetzt - Hauptsache, es bleibt interessant.“

Für das für 2012 geplante zweite Album kündigt sie schon jetzt eine neue Richtung an, das Material speise sich „komplett aus Band-Jams“. Aber vorerst geht es um die EP. „Einer will immer mehr“ erscheint (VÖ: 16.9.), wie schon das Debüt auf dem eigenen Label „Pflanz einen Baum“. Sechs Songs sind darauf enthalten, die im Lauf der vergangenen zehn Jahre entstanden sind. „Viel fröhlicher und energetischer“, findet Alin Coen das Ergebnis. Sie sieht in der EP „eine gute Brücke zwischen den Songs im Singer/Songwriter Stil des Debüts und der nächsten Entwicklungsstufe“. So ist das filigran-fidele „Steps“ eines ihrer ersten Lieder überhaupt, wohingegen „Einer will immer mehr“ aus dem Jahr 2011 stammt – beide offenbaren ein völlig neues Soundverständnis der Band: mit experimentellen Keyboard-, Bass- und sonstigen Effekten sowie poppig-tippelnden Rhythmen.

Englisch, Deutsch - zwei Möglichkeiten, keine Entscheidung. „Die Sprachen inspirieren mich zu unterschiedlichen Melodien“, sagt die Tochter einer deutschen Ärztin und eines mexikanischen Künstlers, die in Hamburg aufgewachsen ist und gerne die Welt bereist. „Für mich hört sich beides richtig an“, sagt sie, und so findet man auf all ihren Platten Songs in beiden Sprachen. Intuitiv gehe sie sowohl bei der Sprachwahl als auch beim Texten und Komponieren vor, erklärt sie. „Ich gehe da nicht intellektuell ran.“ Das ist wie mit den großen Gefühlen, die sie in ihren Stücken über Hoffen und Scheitern, Lieben und Loslassen transportiert: „Eigentlich bin ich ein ausgeglichener Mensch“, sagt Alin Coen. „Aber Lust zu schreiben spüre ich vor allem dann, wenn Leidensdruck da ist.“ Das können eigene Erlebnisse sein, aber auch bewegende Dinge, von denen sie in der Zeitung liest. „Ich bin schon so ein Sensibelchen“, räumt sie ein. Genau das dürfte einer der Hauptgründe sein, warum ihre Musik so viele Verehrer gefunden hat. Zu ihren Fans gehören auch prominente Persönlichkeiten wie Ina Müller. Die Moderatorin und Sängerin hat sie 2010 in ihre TV-Show „Inas Nacht“ in der ARD eingeladen, weil sie schier ausflippe, wenn sie sie höre.

Ende September wird Alin Coen auch Stefan Raab kennenlernen: Beim „Bundesvision Song Contest 2011“ vertreten sie und ihre Band das Bundesland Thüringen. Coen ist zwar geborene Hamburgerin, aber seit 2003 lebt sie in Weimar, wo sie ihre Mitmusiker Jan Frisch (Gitarre), Fabian Stevens (Schlagzeug) und Philipp Martin (Bass) kennenlernte und zur eingespielten Gruppe formte. „Wir sind sehr nervös“, sagt Alin, „nicht unbedingt wegen der großen Konkurrenz im Wettbewerb, sondern weil da so viele Leute zugucken.“ Spielen werden sie die Single „Ich war hier“, eines der Gänsehaut-Gitarrenstücke vom ersten Album.

Weimar. Hier begann vor vier Jahren die Bandgeschichte. „Zunächst etwas larifari“, wie Alin schmunzelnd erzählt, die nach Thüringen kam, um hier Umweltschutztechnik zu studieren (den Bachelor hat sie in der Tasche, nun möchte sie Wasser-Management in Holland studieren, ein zweites Standbein, gewiss). Aber als die Vier 2008 beim „Popcamp“ des Deutschen Musikrats mitmachen durften, wurden die Ambitionen in professionelle Bahnen gelenkt. „Das war super, wir haben dort viel gelernt.“ Nach ersten Tourneen, unter anderem durch Kanada, kursierten die Songs im Internet, und auch einige Fernsehauftritte fanden statt. Das Debütalbum auf dem Eigenlabel war die konsequente Folge.

Dass es überhaupt dazu kam, dass Alin Lieder schreibt, um sie auf die Bühne zu bringen, ist einem früheren Schlüsselerlebnis in Stockholm geschuldet. Als 19-Jährige, in einer „Phase der Unentschlossenheit“, wie sie sagt, reiste Alin zunächst nach Indien und dann nach Schweden. In Stockholm ergriff sie die Chance, auf einer offenen Bühne aufzutreten. „Das war für mich der Anlass, zum ersten Mal überhaupt Songs fertig zu schreiben“, blickt sie zurück. „Es war toll, da zu spielen. Die Leute waren so offen, und ich habe sehr unterstützendes Feedback bekommen!“ Einer der Songs, den sie damals schrieb, ist „Steps“, der nun auf EP erscheint. Ein großer erster Schritt. Weitere werden folgen. Damit die Leute was zu staunen haben.

Weitere Infos unter:
http://www.alincoen.com
http://www.myspace.com/alincoen

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