LeFly - St. Pauli Tanzmusik
03.10.2010 von Annett Schubert
Ein bisschen durchgeknallt muss man schon sein, wenn man zu LeFly gehört. Sie sagen von sich selbst, sie machen St. Pauli Tanzmusik. Sankt Pauli: Das Pflaster für alle Freunde schrillen Lebens nach dem Motto: Leb’ wie Du willst. Das Rezept der Jungs: Eine Mischung aus Schnaps, Qualm und Konfetti. Klingt unseriös, ist aber so.“ LeFly: Das sind sechs aufrechte St. Paulianer, „offen und kollektiv glücklich“, wie sie selber sagen. Sechs Mucker- und Schlucker-erfahrene Schnacker mit dem süffisant norddeutschen Schalk im Augenwinkel, die das Gebot der Kiez-Religion verstanden haben. Die den Melting Pot St. Pauli mit jeder Facette leben. Und die deshalb Musik machen, als ob so ziemlich alle Genres moderner Popkultur nur dem einen Zweck folgen: auf möglichst natürliche Weise miteinander vermischt zu werden.
„Der Menschenclash auf St. Pauli ist einmalig“, sagt Band-Rapper Schmiddlfinga. „Immer Tausende verschiedene Leute unterwegs. Daraus resultiert eine Offenheit, die wir auch für unsere Musik suchen. Und dass alles so’n büschen dreckig ist.“ So trifft sich bei ihnen Rock und Reggae. Ulk und Unruhe. Funk und Punk. Raps und Refrainchöre des Wahnsinns. Leidenschaft und Liebesbezeugnisse an den Irrsinn. Ein Blick auf LeFly genügt, um zu wissen: Die Jungs haben Style – auch wenn keiner weiß, wie man den wohl nennen könnte.
„Gerade weil wir alle aus so verschiedenen Richtungen kommen, hat sich die St. Pauli Tanzmusik geformt“, so Drummer Robsi. „Da waren eben einmal dermaßen unterschiedliche Musikstil-Vorlieben im Proberaum vertreten, wie man das wohl nur selten findet. Das Gute ist: Man braucht keine Inspirationsquellen, denn die beste Inspirationsquelle steht dir direkt gegenüber. Das ist ein sich ständig selbst befruchtender Kreislauf.“ Musik machen bei leFly sollte man sich also in etwa so vorstellen wie Daddys liebstes Baggerspiel ‚Twister’: Jeder hat eine Farbe, einer würfelt, und ein paar Minuten später sind alle Gliedmaßen verknotet.
LeFly ist nämlich ursprünglich die Vermählung einer kräftig drückenden Rockband und eines MC-/DJ-HipHop-Gespanns. Diese Hochzeit vollzog sich 2005, als sich Schmiddlfinga eine Band in der Markthalle anschaute und diese im Anschluss von der gebotenen Dringlichkeit einer Kollabo überzeugte. Einige Umbesetzungen später – zweien wurde es bei diesem Clash der Ideen dann doch zu bunt – standen leFly wie eine Eins: Neben Schmiddlfinga und seinem DJ Benni Barfuss waren noch Robsi und Sänger Hampi von der ursprünglichen Rockband sowie die beiden später Rekrutierten, Basser Bastus und Gitarrist Henrixyz, mit an Bord. Die Songs kullerten, die Ideen sprudelten, es wurde wild: leFly nahmen Konturen an. Konturen, die sie schnellstmöglich auch ans Publikum brachten, mit gewaltigem Erfolg: Denn ein leFly-Konzert vergisst man so schnell nicht.
Nächster Halt: Albumproduktion. Jene erfolgte 2009 in den Tao Studios in Hamburg. Eine Kracherpeitsche nach der anderen kam aufs Band, Ergebnis: High-Energy-Irrsinn. Mit Melodien, die man auch nach einem St. Pauli-Auswärtssieg noch rückwärts schunkeln kann. Mit Beats, die den Hintern hysterisch machen. Mit Raps wie schneidige Hafenwinde im Morgengrauen. Mit Songs, die kamen um zu bleiben. Und einem Humor, dem sie selbst attestieren, „angenehm bescheuert“ zu sein. „Trotzdem liegt dem Ganzen, auch jedem Text, jeder Songidee, eine gewisse Ernsthaftigkeit zugrunde. Aber das laute Augenzwinkern: Das sollte man möglichst mitschneiden“, weiß Robsi. Dazu höre man nur die soeben veröffentlichte erste Radiosingle,den echten Song-Fetzer „No Tan Solo“, eine Abgeh-Rakete zwischen Rock, Rap und Ska. Andere Beispiele für ihre stilvermählenden, ohrbesetzenden Frechheiten sind Songs wie „Suck It Or Lick It“ oder „Face On The Cover“. Hören, Kopf nicken, „Wow“ sagen.
Gibt es denn so etwas wie eine Botschaft dieser Konzert gewordenen Adrenalinschübe? „Das Endprodukt sollte immer sein, dass sich Menschen in den Armen liegen“, sagt Robsi. Und Schmiddl ergänzt: „Dann spüren wir Liebe.“
Wenn man auf crazy Elemente und lautes Gedöns steht, ist das genau das Richtige – tanzbar und abgedreht. Partystimmung bleibt hier garantiert nicht aus!
Und noch mehr auf www.lefly.de
wilde + schneider









