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Befreundet mit einem Flüchtling: "Roulade und Döner"

Worum geht’s? Flüchtlinge, Montags-Café, Afghanistan, Dresden

Wenn die Integration der knapp 6000 Flüchtlinge, die in den vergangenen zwei Jahren nach Dresden kamen, funktionieren kann, dann durch Freundschaft, glaubt CAZ-Redakteurin Anne Nentwig und berichtet von „ihrem Flüchtling“ Ahad.

 

Ahads Familie stammt aus Afghanistan, aber er selbst ist im Iran geboren und aufgewachsen. Dort leben auch seine Frau, die er mit zarten 19 Jahren auf Wunsch seiner Mutter heiratet, und seine beiden Kinder. Die drei fehlen ihm sehr und noch immer ist ungewiss, wann er sie wiedersehen kann. Auch wenn er hier in Deutschland mit drei anderen Männern zusammenwohnt, ist Ahad oft einsam. Daher kommt er regelmäßig zum Montags-Café, dem öffentlichen Treff für Flüchtlinge und Einheimische des Staatsschauspiels Dresden.

Hier lerne ich Ahad im Frühjahr 2016 kennen. Während wir mit den anderen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht spielen, kommen wir schnell ins Gespräch. Wir reden über Kultur, Religion und den Unterschied zwischen „einem Freund“ und „meinem (festen) Freund“. Nach vielen interessanten Gesprächen beim Montags-Café, im Großen Garten oder in der SLUB, in der Ahad viel Zeit mit Deutschlernen verbringt, kann ich annähernd nachvollziehen, warum sich die meisten männlichen Flüchtlinge so schwertun, diesen Unterschied und all die anderen neuen Eindrücke hier zu verstehen. Ahad fällt es leicht, doch die Welt, von der er mir erzählt, ist für uns Mitteleuropäer unglaublich „weit weg“ von unserer aktuellen Realität. Eine Freundschaft wie unsere ist in den arabischen Ländern eigentlich undenkbar. Dabei bin ich sehr froh, dass Ahad mittlerweile nicht mehr nur „mein Flüchtling“ ist, wie ich ihn gern nannte, wenn ich anderen von ihm erzählte, sondern ein richtiger, guter Freund.

Langweilig wird es mit ihm nie, es gibt immer etwas zu erzählen (übrigens von Anfang an auf Deutsch) und über die ein oder andere spezielle Angewohnheit muss ich doch oft schmunzeln. So schickt er generell, wenn wir uns irgendwo in der Innenstadt treffen, immer sicherheitshalber seinen Standpunkt. Auch bringt er gern etwas zu essen mit, selbst wenn er zum Essen eingeladen wird. Ich reagierte nicht schlecht, als er ein paar Monate, nachdem er für uns afghanisch gekocht hatte, zum „typisch deutschen“ Essen (Roulade, Rotkohl und Klöße) drei Döner mitbrachte! Es stellte sich dann jedoch raus, dass der Laden neu eröffnet hatte und die Döner für nur einen Euro verkauft wurden. Er hatte es eben nur gut gemeint. Zu anderen Treffen bringt er dann eine Obstschale aus dem Asia-Markt, Nüsse oder selbst belegte arabische Fladenbrote mit. Apropos Essen: Während es in Deutschland eher unhöflich ist, beim Essen zu schmatzten, zeigt das bei Ahad einfach, dass es ihm sehr gut schmeckt.

Ich möchte Ahad als Freund nicht mehr missen und drücke beide Daumen, dass er in Deutschland bleiben kann und damit endlich ein Land hat, zu dem er gehört. Ich hoffe, dass ich ihm dabei auch in Zukunft helfen kann.         

Text: Anne Nentwig
Foto: privat

Jetzt seid ihr dran: Kennt ihr Menschen, welche die CAZ unbedingt vorstellen sollte? Gibt es jemanden, den ihr schon immer mal kennenlernen wolltet? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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