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Ikarus mit „Mosaismic“: Soundcollagen am Puls der Zeit

Schweizer Band Ikarus stellt ihr neues Album Mosaismic vor
Auch live eine echte Empfehlung: die Schweizer Band Ikarus.

Worum geht’s? Musik, Ikarus, Mosaismic, Jazzcampus Basel, Jazz

Die jungen Schweizer Musiker um die Band Ikarus stellten im April im Festspielhaus Hellerau die neuen Stücke des Kompositionsstudenten Ramón Oliveras und das Bandalbum „Mosaismic“ vor.

Auf dem vor wenigen Wochen erschienen Album „Mosaismic“ (Ronin Rhythm Records) hörst du eine vibrierende Klangwelt, die von der Struktur her Effekte elektronischer Musik mit akustischen Instrumenten vereint und durch ihre kraftvollen wie künstlerisch anspruchsvollen Soundcollagen auch Anleihen an minimalistischem Jazz, westafrikanischer Musik und impressionistischen Strukturen nimmt.

Kreativ mit scharfen Kontrasten

Die Band wird vom Schlagzeuger und Komponisten Ramón Oliveras inspiriert. Er studiert momentan, nach abgeschlossenem Schlagzeugstudium, im vierten Semester an der Zürcher Hochschule der Künste im Zweitmaster zeitgenössische Komposition. Die Sängerin Anna Hirsch hat im vergangenen Herbst am Jazzcampus Basel frisch ihren Master abgeschlossen. Außerdem wird die Band komplettiert vom Kontrabassisten Mo Meyer, Lucca Fries am Klavier und dem Sänger Andreas Lareida. Deren kreativ eingefangenen, überraschend sortierten und schräg gegenüber gestellten Sounds lassen den Zuhörer aufhorchen. Wenngleich über die Spielzeit des Albums hinweg selten eingesetzte, scharfe Kontraste eine kraftvolle, belebende Wirkung erzielen, bleibt die Musik als Gesamterlebnis trotz der sich verändernden Passagen vom roten Faden her homogen.

Zeit für ein bisschen Philosophie

Diese CD ist echt spannend. Die gesanglichen Strukturen und einige instrumentale Linien sind behutsam eingespielt und bieten damit eine einfühlsame Grundlage für weitere melodische und rhythmische Entwicklungen. Sie lässt, öffnest du dich den Sounds, eine erstaunliche Nähe entstehen. „Mosaismic“ wird hauptsächlich von einem minimalistischen Fluss regiert, der selten von parallel laufenden, anders rhythmisierten Impulsen übertrumpft wird. Deren Gesamtklang und Entfaltung scheinen hier der Kunstanspruch der jungen Band zu sein.

Jeder Track auf dem Album hat eine philosophische Ebene, der man Zeit schenken sollte. Zuspruch wie Kontrast, Frieden wie Konflikt, die Musik trägt viele Themen. Man darf die Strukturen sowohl im Moment vertikal als auch über das Stück hinweg horizontal erleben. Eine stets an- und abschwellende Synergie zwischen diesen perspektivischen Eindrücken erzeugt in jeder Komposition entspannende, öffnende Höreffekte.

Pulsierende Beats und simple Strukturen

„Mosaismic“ ist ein Album, das man öfters hören kann. An klanglichen Überraschungen, die sich hier entfalten dürfen, mangelt es nicht. Die herausstechenden Sounddetails dürfen aufleben und wirken, übertrumpfen aber auch den Fluss der Platte nicht. Neben schön gespielten Instrumenten und Vokaleinlagen begeistert mich vor allem die künstlerische Ausgewogenheit an Effekten und Sounds.

Das Album schafft es, zeitgenössischen Jazz in einen Kontext zu stellen, der mit seiner Art die heutzutage gefeierten Mainstream-Strukturen sowohl kritisch als auch anleihend kommentiert. Zum einen hört man pulsierende Beats, wie sie in Clubs gefeiert werden. Zum anderen schwemmt der Kunstanspruch von Ikarus die Belanglosigkeit aus den teilweise simplen Strukturen heraus. „Mosaismic“ klingt einzigartig und ist auch genreübergreifend interessant für seine Zuhörer.

Text: Marion N. Fiedler
Foto: Peter Meisel

Jetzt seid ihr dran: Welche Musik sollen wir in der CAZ vorstellen? Kleine Alternative Projekte oder lieber die Chartstürmer? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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