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„Als wäre ich gar nicht wirklich da“ - Keine Angst vor der Angst

Das Thema ist so alt wie die Institution Uni selbst: Panik vor der Prüfung – ein Dauerbrenner unter Studenten. Ein an der TU Dresden entwickeltes Training soll Betroffenen helfen.

Ina läuft vor dem Büro von Prof. Kunz auf und ab. Wochenlang hat sie sich auf die Prüfung vorbereitet, unerträglich lange Tage in der SLUB verbracht, Einladungen ausgeschlagen, stattdessen gelernt. Auch wenn die Gedanken an die Prüfung quälend waren, so war sie sich beim Lernen sicher, den Stoff zu beherrschen. Doch das scheint nun wie weggeblasen. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals, ihr Mund ist trocken, die Hände nassgeschwitzt.

Schon bittet Prof. Kunz sie hinein. Ohne Vorreden stellt er die erste Frage. „Das Thema kann ich gut“, sagt sich Ina. Sie beginnt zu sprechen, doch sie kann sich kaum konzentrieren, verhaspelt sich. Sie hört ihre Stimme nur noch aus der Ferne, die ganze Situation erscheint ihr fremd und unwirklich. Die Fragen von Prof. Kunz ertönen dumpf in ihren Ohren. Nach 25 Minuten verlässt Ina aufgelöst und enttäuscht das Büro. Bestanden hat sie, wenn auch knapp. Beunruhigt vertraut sie ihrem Freund an: „Ich hatte wieder dieses komische Gefühl, als wäre ich gar nicht wirklich da.“

10 bis 20 Prozent der Studierenden an deutschen Hochschulen leiden unter Prüfungsangst. Nicht selten führen diese Ängste dazu, dass diese Menschen Prüfungen hinauszögern oder ihr Studium ganz abbrechen. Auch De­pressionen können die Folge sein. Mangelnde Vorbereitung oder ungünstige Lernstrategien sind bei Weitem nicht immer die Ursache für die Angst. Schlechte Erfahrungen in früheren Prüfungen, Perfektionismus, eine hohe Abhängigkeit des Selbstwertes von akademischen Leistungen und weitere Faktoren können das Auftreten von Prüfungsangst begünstigen. Die beschriebenen Unwirklichkeitsgefühle, auch Depersonalisation und Derea­li­sation genannt, sind typische Symp­tome von Prüfungsangst. Sie werden oft als belastend und beängstigend erlebt, gerade weil sie so unverständlich und befremdlich erscheinen.

Basierend auf aktuellen Forschungs­ergebnissen konzipierten M.Sc. Tabea Schweden und Prof. Jürgen Hoyer vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden ein kurzes Training, in dem Betroffene einen besseren Umgang mit diesen Unwirklichkeitsempfindungen erler­nen. Die Psychologen bieten das Training noch bis Mitte Juli im Rahmen der KURD-Studie kostenfrei an. Für die Studienteilnahme wird außerdem eine finanzielle Aufwandsentschädigung von bis zu 53 Euro gezahlt.

Wenn ihr Interesse habt, schreibt an: kurd.studie@mailbox.tu-dresden.de

Text: TS

Foto: Photocase/ryu-tako


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