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Autorin rät: „Nehmt euch Zeit zum Nichtstun“

Katharina Ceming "Denken hilft!"
Katharina Ceming hat nützliche Tipps zum Alltag entrümpeln und Prioritäten setzen

Worum geht's? Katharina Ceming, Studium, Zeitmanagement, Muße

Zeit lassen und Prioritätenliste entrümpeln sagt Autorin und Fundamentaltheologin Katharina Ceming. CAZ hat mit ihr über Muße gesprochen und wie uns die im Studium weiterbringt.

CAZ: Wo positioniert sich für Sie das individuelle Denken in den Informationsströmen unserer Gesellschaft?

Katharina Ceming: Wir sind heute einem dauerhaften Informationsfluss ausgesetzt, der uns oftmals zu überfluten scheint. All die Daten, mit denen wir bombardiert werden, müssen wir zunächst einmal aufnehmen. Doch das allein genügt nicht. Bereits antike Philosophen wie Heraklit wussten, dass es nicht reicht, Wissen nur anzuhäufen. Zum Wissen braucht es das Verstehen, damit wir Zusammenhänge erkennen können. Nur so wird Wissen für uns hilfreich, und nur so können wir damit etwas Sinnvolles anfangen. Auf diesen Aspekt hob in der Neuzeit noch einmal Immanuel Kant ab. Er betonte, dass jeder Mensch lernen müsse, seine Urteilskraft zu kultivieren.

CAZ: Denken kann doch aber jeder, oder?

Katharina Ceming: Klar, aber zwischen dem normalen Denken und dem philosophischen gibt es schon einen Unterschied. Ich plädiere mit meinem Buch „Denken hilft“ für ein philosophisches Denken, das sich nicht mit Zweckrationalisierungen begnügt. Zweckrationalisieren heißt, dass ich alles nur für einen unmittelbaren und kurzfristigen Zweck, für einen direkten Nutzen, tue. Philosophisches Denken ist ganzheitlicher. Es geht in die Tiefe. Es geht ums Nachdenken.

CAZ: Wie findet man da seinen Weg, zwischen einem fließenden Gedankenstrom und festen Strukturen?

Katharina Ceming: Gedanken haben wir fast ununterbrochen. Wenn man einmal kurz innehält, bemerkt man, dass es dauernd in unserem Hirn rappelt. Diese Gedankenflüsse unterscheiden sich vom Denken dadurch, dass wir beim Denken unsere Gedanken ordnen und systematisieren. Wir gleichen diese mit anderen Erkenntnissen ab. Dadurch gewinnt unser Denken für uns einen Nutzen. Wenn wir aber die einmal gewonnenen Erkenntnisse nie mehr anschauen, dann können diese zu dogmatischen Haltungen werden, die uns einengen statt befreien. Von daher ist es notwendig, dass wir immer wieder unsere eigenen Gedankenmuster und Haltungen überprüfen und notfalls korrigieren.

CAZ: Und was bedeutet das für uns Studenten?

Katharina Ceming: Der entscheidende Punkt beim Studieren ist, dass man sich entscheidet, was wirklich bedeutsam ist. Gerade wenn ganz viel ansteht, sollte man zuerst klären, was wirklich entscheidend für einen ist, man fragt sich ja viel zu selten: „Was geht mich wirklich an?“ Mit diesen Abwägungen kann man abschätzen, wo man seine Energie einsetzen sollte. Auf uns prasseln diverse Impulse ein. Es ist aber fundamental, dass gerade Studenten sich in ihrer Karrierebildung und ihrer Selbstfindung noch Zeit zum Suchen geben sollten. Nicht alles muss so schnell und perfekt gehen, wie es an der Uni gewünscht wird. Man sollte auch als Student Zeit für sich finden, um auch mal seine Prioritätenliste zu entrümpeln. Das sage ich, weil wir alle einfach viel zu viel machen.

CAZ: Und wie entrümpelt man?

Katharina Ceming: Schauen, was wirklich wichtig ist. Grenzen ziehen. Einerseits sollte man sich fragen: Was will ich im Leben? Wohin will ich? Bin ich es, der da hin will oder wollen andere, dass ich einen bestimmten Weg einschlage? Und natürlich sollte man stets auf seine Ressourcen achten. Man muss immer wieder abwägen. Klar gibt es viele Dinge, die viel Spaß machen, die bringen mir aber vielleicht auf lange Sicht gar nicht viel. Natürlich muss man sich auch mal was Gutes tun, was einem nichts „bringt“.

Daneben gibt es Dinge, die im Moment vielleicht noch schwierig und anstrengend sind, die mir aber dauerhaft etwas bringen. Hilfreich ist es, regelmäßig „innere Ruheräume“ aufzusuchen: sich Zeiten zum Nachdenken und Nichtstun zu gönnen. Ich nenne das Muße-Inseln. Es kann sein, dass man sich dazu für eine halbe Stunde im Park auf eine Bank setzt und in Ruhe seinen Kaffee trinkt, in der Morgenstille einen Spaziergang macht oder vorm Schlafengehen einfach den Tag Revue passieren lässt. Die ruhigen Momente geben uns viel mehr Kraft, als wir denken. Und in diesen kann man bestens entrümpeln. Das passiert teilweise ganz von allein. Weniger ist manchmal mehr. Das betonten schon viele der großen Philosophen. Und gerade die Reduktion auf das Wenige öffnet oft Räume, in denen man wieder durchatmen und sich selbst finden kann. Das ist für unsere Psyche sehr hilfreich.

CAZ: Was hat Sie animiert, das Buch zu schreiben?

Katharina Ceming: Für mich ist es eine Freude, zu philosophieren. In den Kapiteln geht es um verschiedene Themen, die sich alle mit dem gelingenden Leben beschäftigen. Veränderung, das richtige Maß, Gelassenheit, Glück, der Sinn des Lebens – all diese Themen haben mit einem gelingenden Leben zu tun. Die Grundlage dafür ist für mich jedoch die Muße. Ich glaube daran, dass man regelmäßig eine unverzweckte Zeit verbringen sollte, in der nichts Bestimmtes passieren muss, in der dann etwas passieren kann oder auch nicht. Man darf diese Zeit in der Hängematte liegen oder ein Buch schreiben – das kann gleichermaßen ein Ausdruck der Muße sein. Aber auch im Café zu sitzen ist für mich Muße.

Wenn wir uns umschauen, stellen wir fest, dass wir in einer sehr getriebenen Gesellschaft leben. Unser Leben ist voll durchökonomisiert und das macht uns krank. Oft ist heute von Entschleunigung die Rede. Ich orientiere mich aber lieber am weitläufigeren und positiveren Aspekt der Muße, da er näher am Menschen dran ist. Ich denke nicht, dass wir überall eine Entschleunigung erleben wollen. Nicht alle Bereiche im Leben verlangen nach Entschleunigung. In vielen technischen Bereichen sind wir dankbar, dass die Abläufe um uns etwas schneller geworden sind. Wir müssen eher lernen, gut mit dieser Beschleunigung umzugehen und dafür hilft Muße.

 

Zum Buch:

Was sagen die Weisen und Klugen unserer Gesellschaft dazu, wie der Student von heute denkt und sein Leben plant? Das Buch „Denken hilft!“ animiert jeden aufmerksamen Leser, das eigene Denken langfristig unter die Lupe zu nehmen. Es bringt mit klaren und hilfreichen Texten die Wichtigkeit um unsere mentale Gesundheit und Fitness zur Sprache, ohne dabei in typische und an Kurzfristigkeit orientierte Motivationsklischees zu verfallen.

Der Autorin gelingt es dabei, den Leser auf eine Reise mitzunehmen, die nicht nur kritisches Denken, sondern auch zu einem vielschichtigen Hinterfragen der eigenen Denk- und Handlungsmuster inspiriert. Ihre Ideen stärken den Menschen, der sein Ich und eigene Bedürfnisse neu kennenlernt, in seiner Ursprünglichkeit. Das Buch hilft beim Orientieren und Befreien – auch die Entlastung und das Verwirklichen eines Lebens, wie man es sich wünscht, spielen in den Texten eine Rolle.

CAZ meint: Eine wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe. Das Buch bietet Ideen, die wir umsetzen dürfen, um unser Leben selbstbestimmter zu gestalten. Wir als CAZ-Redaktion empfehlen es euch besonders jetzt für die Studienzeit – lasst euch nicht nur durchs Studium treiben!

Interview, Rezension und Foto: Marion N. Fiedler

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