Schreib uns per WhatsApp: 0172 77 18 33 4

Bahai: Dresdner Student pflegt seltene Religion

Der Musikstudent Adrian Zendeh öffnet jeden Dienstagabend seine Wohnung für Andachten. Warum das? Er ist einer der 20 Dresdner Anhänger der Bahai-Gemeinde, einer Religion der guten Nachbarschaft.

 

 

Der Familienname Zendeh bedeutet im Persischen „lebendig“. Und so wirkt Adrian Zendeh auch auf andere. An der HfM studiert er Jazzklavier im Doppelfach. „Das bedeutet, dass ich sowohl meinen künstlerischen Abschluss zum Pianisten angehe, als auch einen Lehramtsabschluss für Gymnasium“, erklärt er. „Nicht nur habe ich dann zwei Perspektiven, was meinen späteren Beruf betrifft, sondern einfach auch mehr Zeit zum Üben am Instrument. Ich muss ja kein zweites Hauptfach an der TU belegen.“

Seit seiner Kindheit ist Adrian Zendeh ein bekennender Bahai und lebt somit die jüngste der Weltreligionen. Seitdem er 15 ist, wurde er Mitglied in der Bahai-Religion. „In diesem Alter erlangt man die Reife, um sich für die Religion entscheiden zu können.“

Die Mutter des in Pforzheim geborenen und in Rostock aufgewachsenen Musiker war übrigens eine der ersten Bahai in Ost-Deutschland. Die Geigerin gab Adrian nicht nur die Liebe zur Musik weiter, sondern eben auch ihre Religion. So lebt jetzt auch Adrian nach den drei Kernprinzipien des Bahai-Glaubens, nämlich der Einheit der Menschheit, der Einheit Gottes und der Einheit der Religion. Laut dem Begründer des Glaubens Bahá`u`lláh (persisch für „Herrlichkeit Gottes“) ist die nur ein Land, und alle Menschen sind ihre Bürger. Auf dieser Grundlage bringen die Bahai alle religiösen Einsichten jeglicher Glaubensrichtungen zusammen, da das spirituelle Wachstum einer jeden gläubigen Person auf dieselbe Quelle der Erleuchtung zugeschrieben wird. „Für mich bedeutet dies aber zum einen, Nachbarschaft zu leben, da diese nach der Familie die nächste Zelle der Gemeinschaft ist“, erklärt Adrian Zendeh. „Wenn man seine Nachbarn kennt und mit ihnen im Gespräch ist, erleichtert das das Leben.“

Die das soziale Umfeld stärkenden Bahai benötigen übrigens keine Kirchräume für ihren Glauben. „Meine Frau Sarah und ich organisieren auch Andachten in unserem Wohnzimmer und laden eben unsere Nachbarn dazu ein. Durch die Einsichten, die unsere Freunde und Nachbarn in den Gottesdienst einbringen, können wir in einem offenen Prozess des Reflektierens und Wachsens leben, das stärkt und formt uns alle ganz wunderbar.“

Natürlich bringt sich der Musiker auch mit seinem Talent ein. Zu den wöchentlichen Andachten spielt Adrian Zendeh die Gitarre. Jeder darf den Gottesdienst mitformen, die Sprache darf wechseln und der Ablauf wird von den Anwesenden gestaltet. Sowohl die Bibel als auch der Koran können in der offenen Religion eingebracht werden. „Entsprechend der kulturellen Unterschiede denke ich mir, dass die Bahai-Andachten in jeder Stadt und auf jedem Kontinenten komplett anders ausgestaltet werden“, erklärt der 24-Jährige. „Da sich jeder einbringen kann, ist auch bei uns jeder Gottesdienst an sich anders.“

Sein Glauben inspiriert auch die ersten Kompositionen von Adrian Zendeh. Und die Herangehensweise an seine eigenen Stücke. „Musik ist wie eine Leiter für die Seele, und wenn ich spiele, versuche ich den Zuhörern die Möglichkeit zu geben, intensiv teilzuhaben. Entsprechend möchte ich in dem Moment des Spielens voll und ganz der Musik dienen. Das ist dann ein sehr befreiendes Gefühl.“

Wer sich näher über Bahai informieren möchte, findet auf der Homepage der Dresdner Bahai-Gemeinde weitere Infos.

Die Musik von Adrian Zendeh findet ihr auf Youtube, Facebook und Twitter.

Text und Foto: Marion N. Fiedler

 

 

Zurück

Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Matomo“ (ehemals Piwik). Unsere Website verwendet auch „Cookies von Drittanbietern“, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können. Mehr dazu ...