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Bücher-Autobahn: Hinter den Kulissen der SLUB

SLUB Dresden Reportage für die CAZ
Im Digitalisierungszentrum an einem Grazer Buchtisch

Worum geht's? TU Dresden, Staats- und Universitätsbibliothek, SLUB, Digitalisierung, Magazin, Maya-Codex

Buch ausleihen, damit arbeiten, wieder abgeben, fertig. Doch wie kommen die Bücher eigentlich zurück in ihr Regal und was passiert sonst noch so hinter den Kulissen der SLUB? Wir haben CAZ-Reporterin Madeleine Brühl einen Tag lang in die Katakomben der großen Uni-Bibliothek geschickt.

Morgens, kurz vor neun in der Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Die Mitarbeiter im Benutzerbereich nehmen gerade ihre Plätze hinter dem Ausleihtresen ein, während ein Mitarbeiter die zurückgegebenen Medien aus den Containern hinter dem Automaten holt und in die kleineren Container des Buchtransportsystems sortiert. Nur noch den Barcode für die richtige Abteilung einstellen und ab geht die Post! Dieses System aus Weichen, Liften und Rollbahnen verbindet auf 912 Metern wie eine unsichtbare Autobahn alle acht Stockwerke der SLUB, von der Öffentlichkeitsarbeit bis hinunter ins Magazin.

Bunkeratmosphäre im Magazin

Dort nimmt Dr. Georg Zimmermann die Medien in Empfang. Das Magazin befindet sich in den unteren beiden Benutzerebenen, ein weiteres Stockwerk wäre aufgrund des Grundwassers nicht möglich gewesen. Unterteilt wird es in die Bereiche Bücher, Handschriften, Raritäten, Karten und topographische Ansichten sowie einen Tresor. Dieser ist speziell klimatisiert und enthält besonders wertvolle Werke. Jeder dieser Bereiche ist eigens abgesichert und für Besucher nicht zugänglich. Die Atmosphäre im Magazin erinnert an einen Bunker: Zwischen grauen Betonwänden erhellt kaltes Licht einen Raum, in dem unzählige bewegliche Regale und Metallschränke stehen.

Aus einem dieser Schränke holt Georg Zimmermann jetzt eine graue Mappe heraus und bringt eine bunte Zeichnung von der Sächsischen Schweiz zum Vorschein. „Hier im Karten-Magazin herrschen im Sommer wie Winter 17°C und 50 % Luftfeuchtigkeit. Den Karten geht es so gut wie in den letzten 500 Jahren nicht“, erklärt er. Etwa 180 000 Karten und Ansichten gehören zu der von ihm betreuten Sammlung, von denen ungefähr 30 000 Werke bereits digitalisiert wurden. Die digitalisierten Karten können online im virtuellen Kartenforum 2.0 in 2D und 3D betrachtet und übereinandergelegt werden, was einen guten Eindruck beispielsweise alter Hochwasserkarten vermittelt.

Hightech für alte Bücher

Vom Magazin aus werden die Bücher über die Buchförderanlage nach oben ins Digitalisierungszentrum transportiert, wo sie ein Mitarbeiter in Empfang nimmt. Seit der großen Digitalisierungswelle bis 2016 ist es hier deutlich ruhiger geworden. „Vor zwei Jahren hätte hier an jedem Gerät jemand gesessen und wir hätten auf Hochdruck Massen digitalisiert“, erzählt Henrik Ahlers. „Durch den latenten Wettbewerb zwischen den Bibliotheken mussten wir uns beeilen, denn wer die Daten einmal hat, kann mit denen ja schon was anfangen.“

Jetzt haben die Mitarbeiter Zeit, sich um Werke zu kümmern, die aufgrund ihres Zustandes besondere Vorsicht und Sorgfalt bei der Digitalisierung erfordern. So kommt es, dass nur ein Teil der großen Spezialscanner besetzt ist. An einem Grazer Buchtisch, einem Spezialscanner zur Digitalisierung besonders wertvoller Bücher, sitzt gerade eine Mitarbeiterin mit einer alten Handschriftensammlung. Das Buch wird zum Digitalisieren auf Stützkissen abgelegt, um es nicht voll aufklappen zu müssen. Anschließend wird eine Seite durch eine Art Staubsauger mittels Unterdruck vorsichtig angesaugt und mit einer Fotokamera aufgenommen. Damit die Bücher keinen Schaden nehmen, gibt es mehrere verschiedene Scanner, die sich an die Erfordernisse der Bücher individuell anpassen lassen.

Gehen gut: Mathe- und Physik-Fachbücher

Vom Digitalisierungszentrum bewegen wir uns weiter über die Bücherautobahn nach oben in den Katalogbereich. Dort landen die Medien nach der Digitalisierung auf dem Schreibtisch von Heike Weber. Von den über 64 Millionen Titeln im SLUB-Katalog sind der Großteil digitale wissenschaftliche Artikel und Zeitschriften, nur 8,5 Millionen Büchern stehen tatsächlich in der Bibliothek. Zur Bestandserweiterung kann jeder über die Website Medien zum Kauf vorschlagen. Vorschläge bis zu einem Preis von etwa 50 Euro werden nach kurzer Verfügbarkeitsprüfung durch das Erwerbungsteam sofort angeschafft, eine inhaltliche Auswahl findet erst ab einem höheren Wert statt.

Zu den am meisten gefragten Büchern im letzten Jahr gehörten „Übungsaufgaben der Analysis“ und „Übungsbuch Physik“ mit 6052 bzw. 4168 Ausleihungen. Eines der ältesten Werke der SLUB ist ein sumerischer Tonkegel aus dem 21. Jahrhundert v. Chr. Um den Katalog aktuell zu halten und das Benutzerangebot zu verbessern, sind mehrere IT-Spezialisten mit der Katalogentwicklung beschäftigt. Mit Hilfe der zahlreichen Rückmeldungen der Benutzer arbeiten die Profis ständig an der Verbesserung der Benutzerdienste.

Zur Prüfungszeit 8000 Studenten pro Tag

Am Ende des Tages macht der Wachdienst noch einen letzten Rundgang, damit niemand vergessen wird. In der Prüfungszeit kommen täglich 8000 Studenten in die Zentralbibliothek und konkurrieren um 2336 Arbeitsplätze, während es im Rest des Jahres nur 2000 Besucher pro Tag sind. Beim Gang durch die Regale kommen einem verschiedene Geschichten in den Sinn. Wenn diese Bücher reden könnten … Sie würden von einer Hochzeit erzählen, die 2013 in der SLUB stattfand. Von Akrobaten, die zwischen Büchern turnen. Von Tränen der Verzweiflung und Erschöpfung, aber auch Freundschaften und großen „Heureka“-Momenten. Von Studenten, die dreist ihr Frühstück auspackten und anderen, die in der Kernprüfungszeit die Bibliothek statt zum Lernen lieber zum Diablospielen nutzten. Wie gesagt, wenn Bücher reden könnten …

Wie es hinter den Kulissen aussieht, kannst du auch auf den Bildern am Textende anschauen. Wenn du auf die einzelnen Fotos klickst, kannst du sie vergrößern. Unter den Bildern steht auch, was darauf zu sehen ist.

Text: Madeleine Brühl
Fotos: Madeleine Brühl (4), SLUB (2), Deutsche Fotothek, SLUB Dresden/Henrik Ahlers

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