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Campussprache: Nach dem mensen noch slubben?

Studentensprache an der TU Dresden
„Versteht mich jemand?“ Auch die Dresdner Studenten haben eigene Campusbegriffe

Worum geht's? TU Dresden, Campus, SLUB, Mensa, Sprachwissenschaft

„I bims“ ist das Jugendwort des Jahres. Häh? Noch nie gehört? Aber auch an der Uni gibt es komische Begriffe, die Außenstehende nicht kennen. CAZ-Autorin Nerea Eschle hat sich das Phänomen von einem Sprachwissenschaftler erklären lassen.

Wiedermal sind Listen mit merkwürdigen Wörtern im Umlauf, die keiner jemals gehört hat. Nein, es geht nicht um Vokabellisten aus dem EBW-1 Englisch-Kurs, sondern um die neuesten Begriffe der Jugendsprache 2017.

Der Langenscheidt-Verlag hat bis zum 15.November über das Jugendwort des Jahres online abstimmen lassen. Eine Jury hat dann aus diesen zehn Online-Favoriten das Jugendwort 2017 ausgewählt. Der Gewinner dieses Jahres ist „I bims“, das so viel wie „ich bin“ oder „ich bin’s“ bedeutet und häufig im lustigen Kontext zusammen mit „vong“ gebraucht wird, das nichts anderes als von heißen soll.

In dieser Liste stehen dieses Jahr beispielsweise auch „geht fit“ für „geht klar“ oder „Was ist das für 1 life?“ als Ausdruck des Erstaunens. Auf der Liste sind aber auch (mir) völlig unbekannte Begriffe: „GEGE“ steht für „Good Game“ und soll Zufriedenheit ausdrücken, „lit“ ist das neue „Sehr cool“, „looten“ bedeutet „einkaufen gehen“ und Merkules ist die Mischung aus Angela Merkel und Herkules. Die komplette Liste hält noch mehr solcher Merkwürdigkeiten bereit.

Nichts verstanden? So geht es wahrscheinlich auch vielen campus-fremden Personen, denn auch Studierende haben einen eigenen Slang: „Ich komm grad vom HSZ, geh dann noch mensen und später bisschen slubben.“ Was an vielen Unis die „Bib“ oder „Bibo“ ist, ist bei uns in Dresden eben die „SLUB“. Und warum sprechen Jugendliche oder auch Studis so unverständlich? Felix Klotz, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Professur Germanistische Linguistik und Sprachgeschichte der TU, sagt: „Jugendsprache ist ein Soziolekt, eine soziale Sprache, bei der soziale Aspekte berücksichtigtet werden wie Alter oder Bildungsstand.“ Jugendliche benutzen demnach bewusst diese Jugendsprache, um sich unter anderem von den Eltern abzugrenzen, aber auch um sich stärker einer Gruppe zugehörig zu fühlen.

Bei uns Studis funktioniert das ähnlich, lasse ich mir erklären, „Studenten haben ähnliche Bedingungen, häufig das gleiche Alter und den gleichen Bildungsstand und auch hier möchte ich mich mit einer Gruppe identifizieren.“ Und wie entsteht dann so eine Campussprache? Das Wichtigste ist die „Akzeptanz des sprachlichen Wandels“, meint Felix Klotz. Konkret heißt das: Wenn ich zum Beispiel den Tisch einfach Stuhl nenne, ist die Akzeptanz sehr gering, aber wenn ich jetzt „mensen gehen“ verwende statt „in die Mensa essen gehen“, klingt das für die meisten doch plausibel und es werden Leute anfangen, diese Formulierung zu verwenden, bis „mensen gehen“ voll normal geworden ist. Und übrigens ist „mensen gehen“ und „slubben“ deshalb so beliebt, weil es „sprachökonomischer“ oder anders gesagt „easy“ ist.

Text: Nerea Eschle
Foto: Pixabay/CC-Lizenz

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr ein tolles Projekt, das ihr gerne in der CAZ vorstellen wollt? Oder gibt es Probleme an der Uni? Über welche Campusthemen sollen wir in der CAZ berichten? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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