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TexLab: „Kaputte Ohren“ und ab und zu Smalltalk

Worum geht's? TU Dresden, KoWi, Medienforschung/Medienpraxis, Studentenjob

Die TU Dresden führt regelmäßig Telefonumfragen durch. Die Interviewer sind oft Studenten der Geisteswissenschaften. Unter ihnen ist die junge Russin Daria Kurchinskaia.

Das Institut für Kommunikationswissenschaft, kurz auch IfK, nutzt regelmäßig das "Telefon- und Experimentallabor" (TexLab) im Bürogebäude am Zelleschen Weg 17 in der ersten Etage neben den ganz normalen Seminarräumen. Das Labor gehört dem unabhängigen Zentrum für sozialwissenschaftliche Methoden des Bereichs Geistes- und Sozialwissenschaften.∗ Manche kennen es vielleicht auch noch unter dem Begriff "CATI-Labor". Was klingt wie ein Frauenname, stand für „Computer Assisted Telephone Interview“, zu Deutsch computergestützte, telefonische Umfrage. 

Die Büroräume sind ganz in Rot gestaltet, der Raum ist in einzelne „Telefonzellen“, eine Art Kabinen, aufgeteilt. Das ist für einige Wochen Darias Arbeitsplatz. Viermal im Jahr befragt das IfK für die Zeitung „Dresdner Neueste Nachrichten“ (DNN) die Dresdner Bevölkerung zu aktuellen Themen. Die Ergebnisse werden dann als DNN-Barometer veröffentlicht.

Zwei Wochen lang, immer von 16 bis 21 Uhr, sind die Interviewer für meist viereinhalb Stunden Arbeitszeit eingespannt. Der Arbeitslohn wird dabei vom jeweiligen Auftraggeber festgelegt; in der Praxis liegt er bei 8,84 Euro∗, dem derzeit in Deutschland gütligen Mindestlohn. Daria erzählt, dass sie bis zu vier Stunden telefoniere, aber danach seien ihre „Ohren kaputt und ich kann nicht mehr richtig reden“. Der Job geht tatsächlich ganz schön aufs Gehör: „So ungefähr 80 Prozent der Zeit hört man einen unangenehmen Ton – den Ton, wenn die Nummer nicht gültig ist und es zu keiner Verbindung kommt.“ Und die 21-Jährige ergänzt, dass dies häufiger vorkomme, da die Nummern per Zufallsprinzip vom Computer zusammengesetzt werden. Dazu gibt es dann noch einmal Tipps und Infos zur Gesprächsführung in gedruckter Form.

Ihre erste Umfragewelle hat sie im September und Oktober gemacht, die letzte war erst im November und Dezember. Voraussetzungen für den Job braucht man nicht viele. Vor der ersten Schicht nimmt man an einer Schulung teil. Die Einarbeitung neuer Interviewer (die natürlich auch bezahlt wird) erfolgt in der Regel in drei Phasen: Einer methodischen und technischen Schulung von knapp einer Stunde, einer studienspezifischen Einweisung in die Fragen des Fragebogens von 30 bis 45 Minuten und einer Phase des Ausprobierens direkt am PC von 15 bis 30 Minuten. Wie lange die Einarbeitung tatsächlich dauert, ist von Fall zu Fall verschieden und hängt davon ab, wie komplex die Studie ist und wie schnell sich der Interviewer einarbeiten kann. Meist sind es rund zwei Stunden.∗

Ihre Erfahrungen bisher? „Eigentlich sehr gut“, sagt die Studentin der Medienforschung/Medienpraxis. Die Arbeit helfe ihr im Studium, da sie teilweise die Inhalte aus dem Grundstudium rund um die Theorie der Befragung praktisch anwenden kann. Die gebürtige Russin gesteht, dass es für sie eine echte Herausforderung war, am Telefon ein nahezu fehlerfreies Deutsch zu sprechen. Sie machte sich anfangs Sorgen, dass sie vielleicht nicht richtig verstanden wird. Aber sie hat nur einen leichten russischen Akzent und so gab es während der Telefongespräche zum Glück keine Verständigungsprobleme. Einige Personen seien am Ende der Befragung sogar neugierig geworden, woher sie denn komme und was sie in Deutschland mache und so kam es ab und an zu netten Small-Talk-Gesprächen, berichtet sie.

Negative Erfahrungen hat Daria dabei allerdings auch gemacht. Es gebe immer Leute, die aggressiv werden, „weil sie nicht wissen oder verstehen, woher wir deren Telefonnummern haben“, berichtet sie. Besonders schwierig war es, als sie Fragen zu den Themen Pegida und Ausländerfeindlichkeit stellen musste. „Klar fühlt man sich da unwohl, besonders als Ausländerin“, lächelt sie.

∗ In einer früheren Version des Textes hatte CAZ geschrieben, dass das Labor zum Institut für Kommunikationswissenschaft gehört, die Studenten rund acht Euro in der Stunde verdienen und die Einarbeitung nur eine Stunde dauert. Das ist nicht korrekt (siehe Text oben).

Text und Foto: Nerea Eschle

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr auch keine Langeweile beim Jobben? Stellt euren Studentenjob doch mal in der CAZ vor. Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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