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Die Dresdner Uni-Slamer im CAZ-Interview

Am Dienstag findet im Kino im Kasten bereits zum zehnten Mal der Uni-Slam statt. CAZ hat die beiden Dresdener Lokalmatadoren Gesine Schäfer und Captain Schnorres für euch interviewt.

Poetry-Slam erfreut sich in Deutschland seit einigen Jahren größter Beliebtheit. Einige Slammer schafften es zu überregionaler Bekannheit, etwa Patrick Salmen  ("Rostrotkupferbraunbronze") oder Guilia Enders ("Darm mit Charm"). Leben können die meisten anderen aber nicht davon. Sie arbeiten nebenbei, organisieren selbst Events oder sind Studis wie wir und treten nur ein, zwei mal pro Monat an.

Am Dienstag den 24. Mai bringen das Studentenforum Dresden e.V. (“exmatrikulationsamt.de”) und das Kino im Kasten e.V. (KIK) Slammer von Hamburg bis München nach Dresden. Es is bereits das zehnte Event dieser Art. Los geht es 20 Uhr im Kino im Kasten in der August-Bebel-Straße 20. Tickets gibt es an der Abendkasse für 4 Euro für Studenten.

CAZ hat vorab Gesine Schäfer und Captain Schnorres für euch ausgefragt.

Wann hast du mit dem Slammen angefangen?

Gesine: Mit dem Slammen habe ich vor ungefähr zweieinhalb Jahren angefangen und bin damit in der Szene eher ein Spätzünder. Viele Slammer trauen sich schon als Schüler auf die Bühne, aber ich habe erst zu Beginn meines Studiums mitbekommen, dass es so etwas überhaupt gibt. Mit dem Science Slam war es später ähnlich – da bin ich noch ganz frisch dabei.

Captain Schnorres: Mein aller erster Auftritt war im April 2014 in Leipzig in der Distillery bei Christian Meyer. Damals begleitete mich meine Cousine und hielt mein zitterndes Herz in tapferer Hand sicher und fest . Dann war ein Jahr Pause durch Praktikum und Auslandsaufenthalt. Seit ca. einem Jahr slamme ich jetzt also aktiv.

Warum hast du angefangen? Was hat dich motiviert?

Gesine: Ich habe schon als Kind gern geschrieben und ein paar Leute gezwungen, das Entstandene zu lesen. Aber als ich das erste Mal auf einem Poetry Slam war, überwältigte mich diese Atmosphäre – ich fand es großartig, wie viel Energie in den Texten, aber auch im Publikum war. Daran wollte ich unbedingt auch aktiv teilnehmen, und bis heute gibt mir das Slammen ständige Motivation, mich neu auszuprobieren und meinen Schreibstil zu verbessern.

Captain Schnorres: Meine Motivation ist zum einen, dass ich bereits seit Kindheitstagen fantastischen Blödsinn spinne und andere damit zu begeistern weiß. Und zum anderen will ich mit meinen Texten die Wichtigkeit von Verständnis, Emphatie und Emanzipation der eigenen Gedankenwelt verbreiten. Meist ist das aber nicht offensichtlich und man sagt mir: "Ey Captain, Du gibst dir auch öfter die Nase oder?!"
Tommy Sanssouci, ein alter Schulfreund und Slammer, quatschte mich dann zu meinem ersten Auftritt auf die Bühne mitten im Niemandsland zwischen letzter geschriebener Prüfung, Prakitkumsbeginn in einer fremden Stadt und schlechten Bestatterwerbungen in der Tram. Huber Bestattungen. Hier waren sie Mensch. Hier werden Sie gewesen sein.

Was sind deine Themen? Woher bekommst du deine Ideen?

Gesine: Hin und wieder schwirrt einfach eine Idee in meinem Kopf herum, und die wird dann zu Papier gebracht. Mal gereimt, mal nicht, mal witzig, mal politisch und manchmal über eine erotische Zombieapokalypse. Am liebsten bastle ich an Texten über skurrile, morbide und übersehene Dinge.

Captain Schnorres: Ideen an sich habe ich gar keine. Das Bedürfnis etwas aufzuschreiben bahnt sich über ein bis zwei Wochen und das platzt es einfach heraus. Blatt, Zettel, halbe Stunde. Zack fertig - Text.
Ich schreibe Texte die den Zwiespalt behandeln in dem ich lebe. Ein bißchen wie bei Tonio Kröger. Vom Dorf gekommen, lebt doch die Stadt. Im Proletariat sozialisiert, rede ich mit meinen Freunden doch nur über Gender Equality und Eloquenz von Bildungssprache. Und so handeln meine Texte von Ronnys rechter Reise und Pornoralles pädagogischem Repertoire.

Was war dein bisher größter Erfolg?

Gesine: Obwohl so ein gewonnener Slam immer ein schönes Erfolgserlebnis ist, würde ich sagen, meine größten Erfolge habe ich immer dann, wenn einzelne Leute aus dem Publikum nach dem Slam unbedingt noch mal mit mir über den Text reden wollen. Da ist es mir auch gar nicht mehr so wichtig, wie die breite Masse meine Zeilen findet – wenn es tatsächlich gelingt, einen Menschen zu berühren, dann ist das das größte Kompliment, das ich erhalten kann.

Captain Schnorres: Mein größter Erfolg ist jedes Mal und immer, wenn Menschen aus dem Publikum auf mich zu kommen und mir ihre Meinung über meinen Text sagen und was Sie darin sehen können. Und Letzteres ist das wofür es sich lohnt auf Bühnen zu stehen.

Was war dein Lieblingsevent und warum?
Gesine: Einen der besten Abende hatte ich vermutlich vor einer ganzen Weile in Zwickau, als ich mit einem neuen Text über einen verfluchten Kannibalen zum ersten Mal erfolgreich war und sogar Seifenblasen geschenkt bekommen habe. Sehr schöne Abende habe ich aber auch meist, wenn ich in Dresden auftrete.

Captain Schnorres: Chemnitzer Regioslam im April diesen Jahres. Ich trat als Feature auf und rappte auch zwei meiner Songtexte. Das Publikum war jung, sehr offen, frenetisch und begeistert.

Ist dir schonmal was richtig Peinliches 'rausgerutscht?

Gesine: Mir ist schon einiges peinliches rausgerutscht, manchmal scheitert es schon an der Textwahl. Zum Beispiel habe ich mal auf einem schrägen Festival zwischen Kunstinstallationen und veganer Bolognese einem Haufen Betrunkener einen Text gegen Drogen (ja, inklusive Alkohol) vorgelesen. Fanden die eher nicht so.

Captain Schnorres: Auf meinem dritten Slam eröffnete ich den Text mit "Chemnitz ist doch auch nur Brandenburg" Das hat das Publikum dann noch gut rüber gerettet und gelacht. Jedoch wurde mir da bewusst, das Leute ja tatsächlich zu hören, welche Worte man spricht.

Interview: Marcel Sauerbier, Fotos: privat

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