Schreib uns per WhatsApp: 0172 77 18 33 4

Kulturaustausch: Ostereier gibt’s auch im Iran

Worum geht's? TU Dresden, Studentenwerk, Alte Mensa, Iran

Dass der Iran viel mehr zu bieten hat als streng gläubige Muslime oder eine fragwürdige Regierung, zeigte der „Iranische Abend“ im Dülfersaal der Alten Mensa. CAZ war vor Ort.

Ein Gewirr aus Stimmen und orientalischen Klängen kommt am Abend des 26. Januar aus dem Dülfersaal in der Alten Mensa. Die Garderobenständer sind voll und etwa 300 Menschen tummeln sich im Festsaal auf der Mommsenstraße, in dem an diesem Abend die „Iranische Nacht“ stattfindet. Die verschiedensten Leute stehen in kleinen Grüppchen verteilt und vor dem Buffet mit traditionellem iranischem Essen, das, wie ich später erfahre, von den Organisatoren selbst gekocht wurde, hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. Ebenso am Tisch, an dem man seinen Namen auf Persisch schreiben lassen kann.

Mit solch großem Interesse und Ansturm habe man nicht gerechnet, erzählt mir Mitorganisatorin Maria Richter-Babekoff aus dem Bereich Mathematik und Naturwissenschaften der TU Dresden (School of Science). Dabei sei eine Veranstaltung wie diese schon länger geplant gewesen, ein erster Anlauf scheiterte jedoch teils an der Organisation, teils an mangelnden Geldern. Maria Richter-Babekoff sucht jedoch schon länger einen Weg, um ausländische Studierende und Wissenschaftler aus der Reserve zu locken und sie somit noch besser zu integrieren. Mit der Unterstützung von Matthiew Anatrella vom Studentenwerk, dem iranischen Doktoranden Siavash Ghiasvand und seiner Frau Parya gelang es schließlich, die „Iranische Nacht“ in knapp sechs Monaten zu organisieren. Finanziert wurde der Abend durch das Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK).

Während Parya als Hauptorganisatorin alle Fäden im Hintergrund zieht, führt Siavash unterhaltend durch das Programm und bringt die Gäste mit passenden Kommentaren zum Schmunzeln. Dann werden in einer Präsentation unter anderem die verschiedenen Feste im Iran vorgestellt. So feiert man nicht nur den Fastenmonat Ramadan, sondern auch Muharram, den ersten Monat im islamischen Kalender, Yalda, die „längste und dunkelste Nacht“ zur Wintersonnenwende zwischen Herbst und Winter, und Norooz, das Neujahrs- und Frühlingsfest, welches immer am 20. oder 21. März stattfindet. Die ersten zehn Tage im Muharram wird getrauert, man trägt nur Schwarz, es werden Theater aufgeführt und man geht zu riesigen Gebetsveranstaltungen. Zur Yalda-Nacht wird ein Yalda-Tisch aufgebaut, auf dem drei Dinge nicht fehlen dürfen: Wassermelone, Granatäpfel und ein Gedicht-Band des persischen Dichters Hafis. Zum Neujahrsfest Norooz wird zunächst das ganze Haus mit einem ordentlichen Frühjahrsputz auf den Kopf gestellt, und auch dabei gibt es einen Tisch, auf dem sieben symbolische Dinge liegen, die alle mit einem S-Laut beginnen. Überraschende Weise gibt es übrigens auch im Iran bemalte Eier, die Fruchtbarkeit symbolisieren und ebenfalls ihren Platz auf dem Tisch finden. Beide Tische sind an diesem Abend nachgebaut.

Außerdem erfahren die Gäste mehr über typische Musikinstrumente und werden passend mit traditioneller Musik „beschallt“. Dann geht es weiter mit kulinarischen Spezialitäten, die die Besucher teilweise schon am Buffet probieren konnten. So ist beispielsweise Brot im Iran nicht mit unserem vergleichbar. Es gibt Taftoon, Lavaash, Barbari und Sangak, alles dünne Fladenbrote, eines größer als das andere. Reis ist im Iran die Hauptbeilage zu jedem Gericht; die Besucher erfahren auch, dass das Reiskochen eine wahre Kunst im Iran ist, inklusive einer zentimeterdicken angekochten Schicht im Reistopf. Gegessen wird im Iran übrigens nur mit Gabel und Löffel, Messer gibt es nicht bei Tisch. Apropos Essen: Am Tag vor der Veranstaltung gab es eine Auswahl iranischen Essens an der Beilagentheke der Alten Mensa, als „kleine Werbung“.

Die Gästeschar war gut „durchmischt“, etwa die Hälfte Araber, die andere Hälfte neugierige Deutsche und Europäer. Das Interesse sei definitiv da, so Maria Richter-Babekoff. Sie kann sich daher gut vorstellen, eine Veranstaltung wie diese in Zusammenarbeit mit der Stadt Dresden zu wiederholen. Auch ähnliche Veranstaltungen zu anderen Ländern könne man in Zukunft organisieren, Studenten mit Ideen können jederzeit an sie oder an Matthiew Anatrella vom Studentenwerk herantreten.

Leider funktionierte die Technik für die geplante Livemusik zum Abschluss des Abends nicht. Davon lässt sich jedoch niemand die Stimmung verderben, man schließt einfach den Laptop an und tanzt zu bekannten iranischen Hits, bis auch der Letzte geht.

Text und Foto: Anne Nentwig

Zurück

Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Matomo“ (ehemals Piwik). Unsere Website verwendet auch „Cookies von Drittanbietern“, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können. Mehr dazu ...