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Mehr Frust als Lust? Als Dozentin an der Uni

Als Dozentin an der Uni hat man mit unmotivierten Studenten zu kämpfen
Lieber Kaffeepause machen, als vor Studenten zu stehen? CAZ-Autorin Inga Schütte ist sich da noch nicht sicher

Worum geht's? TU Dresden, Studium, Studenten, Dozenten, Lehrauftrag, Seminar, Motivation

CAZ-Autorin Inga Schütte darf ein Seminar halten – und ist genervt von schlecht vorbereiteten Studenten. Sie fragt sich: Leute, was ist los mit euch?

Im vergangenen Semester stand ich zum ersten Mal auf der anderen Seite des Seminarraums. Nicht als Tutorin, sondern als offizielle Dozentin mit einem Lehrauftrag konnte ich mein erstes eigenes Seminar (fast) frei nach meinen Vorstellungen gestalten. Zu Beginn war ich optimistisch, euphorisch und wohl auch ziemlich übereifrig. Ich wollte „alles besser machen“, was mich in meiner eigenen Studienzeit, die nun wahrlich nur ein paar Monate zurücklag, gestört hatte. Endlich kein Frontalunterricht mehr, PowerPoint und Videos, aktuelle Themen und Gesprächsrunden sollten im Mittelpunkt stehen. Vor meinem geistigen Auge sah ich Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeregt diskutieren.

Vorurteile bestätigt

Die ersten Sitzungen übertrafen noch meine Erwartungen und ich war im Allgemeinen sehr zufrieden. Aber was soll ich sagen … Nach circa vier oder fünf Wochen bin ich etwas schmerzlich auf dem Boden der Realität angekommen. Es bestätigten sich einige Vorurteile, von denen die älteren Professoren immer wieder berichteten. Viele der Studentinnen und Studenten in meinem Seminar hatten die Texte nicht gelesen, geschweige denn überhaupt dabei. Das hatte zur Folge, dass ich letztlich doch viel mehr referieren musste. Die Mitarbeit verlief zum Teil sehr schleppend und in manchen Stunden war ich einfach nur frustriert. Lag es an mir? Waren die Texte zu schwer? Oder hat kaum jemand Interesse an aktuellen politischen Ereignissen? Ich war irritiert, frustriert und meine Motivation kam nur nach viel Kaffee etwas zum Vorschein.

Geld verdienen – und sonst so?

Nach vielen Gesprächen und Gedanken bin ich aber zu dem Entschluss gekommen: Wer nicht will, der hat schon. Wer ein Studium nur als Mittel zum Zweck ansieht, um später einmal Geld zu verdienen und nicht auch ein Stück weit vom eigenen Interesse getrieben ist, der sollte sich auch nicht wundern, wenn drei bis fünf Jahre Studium sehr lang sein können. Allerdings habe ich auch gelernt, dass man solche eher wenig motivierten Leute, nicht mit allen Studierenden gleichsetzen sollte. Denn am Schluss meines Seminars und danach habe ich in privaten Gesprächen noch viel positives Feedback erhalten, was mich dazu gebracht hat, es dieses Semester noch einmal zu versuchen. Zwar in einer abgewandelten Form und diesmal gleich mit einem realistischen Blick auf die Dinge, aber immer noch genauso motiviert.

Text: Inga Schütte
Foto: privat

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