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Mindestlohn vs. Praktika: Arbeiten für einen Händedruck?

Praktikum und Mindestlohn
Spannendes Praktikum, aber dafür das Sparschwein plündern? Muss nicht sein.

Worum geht's? Pflichtpraktikum, Mindestlohn, BAföG, Arbeitsgericht

Wann habt ihr während eines Praktikums Anspruch auf den Mindestlohn? Leider nicht in jedem Fall. CAZ hat sich für euch mal schlaugemacht, auf was ihr bei diesem Thema achten müsst.

Das Prinzip des Werkstudenten, das in den Naturwissenschaften üblich ist, gibt es in den Geisteswissenschaften so gut wie nicht. Gerade größere Zeitungen oder verschiedene öffentliche oder politische Stellen schreiben immer wieder längerfristige Praktika aus. Im Prinzip klingt sowas ja erst mal toll, wenn da nur das Geld nicht wäre. Denn meist bekommt man entweder eine marginale Entschädigung, die nicht im Entferntesten für die Miete reicht, oder nur einen Dank und einen Schein für den Lebenslauf. Aber wie soll man für drei Monate unentgeltlich 40 Stunden die Woche arbeiten gehen und parallel die laufenden Kosten bezahlen?

Eine Studentin, die ihren Namen lieber nicht in der CAZ lesen möchte, erzählt, dass sie im Rahmen ihres Studiums ein dreimonatiges Praktikum mit einer 40-Stunden-Woche und einer viertägigen Dienstreise gemacht hat – und dafür nicht einen Cent gesehen hat. Hätte sie kein BAföG erhalten, wäre ein solches Praktikum in diesem Umfang nicht möglich gewesen.

Dennoch gilt es, rechtlich zwischen Pflichtpraktikum und freiwilligem Praktikum zu unterscheiden. Bei einem Pflichtpraktikum ist eine Entschädigung seitens der Firma keine Voraussetzung, ganz egal wie lange dieses Praktikum andauert. Bei einem freiwilligen Praktikum muss der Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro in der Stunde gezahlt werden. Aber: Auch hier gibt es eine gesetzliche Nische. Wenn ein Praktikum nämlich nicht länger als drei Monate andauert, wird der Mindestlohn nicht fällig. Daher bieten manche Unternehmen gezielt nur dreimonatige Praktika an.

Viele Firmen gehen offen damit um, dass sie kein oder kaum Gehalt zahlen können, trotzdem sind die Praktika bei großen Organisationen oder Zeitungen beliebt. Den Mindestlohn bei einem freiwilligen, längeren Praktikum nicht zu zahlen, widerspricht zwar dem deutschen Recht. Er kann aber nur selbst von dem Betroffenen beim Arbeitsgericht eingeklagt werden. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) der Bundeszollverwaltung soll kontrollieren, dass die gesetzlichen Regelungen eingehalten werden. Allerdings gilt auch: Wo kein Kläger, da kein Richter. Viele Firmen umgehen den Mindestlohn, indem sie einfach in Praktikumsverträge reinscheiben, dass es sich um ein Pflichtpraktikum handelt. Als Grundlage dafür kann ein einfacher Ausdruck der Studienordnung dienen. Sollte der Praktikant mit diesem Vorgehen nicht einverstanden sein, dann kann es passieren, dass einfach ein anderer den Platz bekommt.

Mehr Infos zum Thema Praktikum und Mindestlohn bekommt ihr beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Text: Inga Schütte
Foto: Pixabay/CC-Lizenz

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr ein tolles Projekt, das ihr gerne in der CAZ vorstellen wollt? Oder gibt es Probleme an der Uni? Über welche Campusthemen sollen wir in der CAZ berichten? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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