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Vor Olympia: Brasiliens zerstrittene Studenten

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Vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist Brasilien gespalten – das gilt auch für die Studenten. Die einen kämpfen für den Machtwechsel, die anderen um Chancengleichheit.

Der Sturz von Brasiliens linker Präsi­dentin, Dilma Rousseff, ist sein größter Erfolg: Immer wieder demonstrierte Kim Kataguiri aus São Paulo in den vergangenen zwei Jahren gegen die Regierung. Um den Machtwechsel herbeizuführen, hat der 20-Jährige sogar sein Studium abgebrochen. Seitdem widmet er seine Zeit ganz dem „Movimento Brasil Livre“.

Gegründet wurde die „Bewegung für ein freies Brasilien“ 2014 von liberalen Studenten. Kim und seine Mitstreiter schrieben Politiker an, reichten Petitionen ein und veranstalteten Podiumsdiskussionen. Vor allem aber organisierten sie Demos – daraus wurden die größten Proteste im Land seit Jahren.

Dilmas Arbeiterpartei habe Investi­tionen in die Wirtschaft verhindert und Korruption begünstigt, schimpft Kim. Deshalb will der junge Mann mit den japanischen Wurzeln weiter kämpfen: „Wir sollten alle Staatsbetriebe privatisieren“, fordert er. Das gelte auch für die Hochschulen: „Wer für den Besuch der Uni bezahlt, bekommt einen besseren Service.“

Doch nicht alle denken wie er. Succo Valnei steht auf der anderen Seite: Der 28-Jährige kommt aus der Favela Maré in Rio de Janeiro, sie gilt als eine der gefährlichsten der Stadt. Knapp 200 000 Menschen leben hier. „Viele Freunde aus meiner Kindheit sind bei Schießereien zwischen Drogengangs gestorben“, berichtet er.

Succo ist einer der wenigen, die es geschafft haben: Er studierte Medien­wissenschaften. Heute kämpft er mit dem Verein „Observatório de Favelas“ gegen die Diskriminierung schwarzer Jugendlicher aus den Armenvierteln. Er macht sich gegen Polizeigewalt stark und prangert das ungerechte Bildungssystem des Landes an: „Wer auf eine öffentliche Schule geht, hat später kaum eine Chance, die Aufnahmeprüfung für die Uni zu bestehen.“

Das Studium an einer öffentlichen Uni­versität ist zwar kostenlos, doch die Auswahlverfahren sind hart. Qualifizieren können sich meist nur Bewerber von teuren Privatschulen. Um Studenten wie Succo den Zugang zur Uni zu erleichtern, hat die alte Regierung eine Quote eingeführt für arme Schüler und solche mit dunkler Hautfarbe: Die Prüfung muss immer von einem bestimmten Prozentsatz bestanden werden.

Die Anhänger des „Movimento Brasil Livre“ sind davon wenig begeistert, sie fordern die Abschaffung der Regelung: „Die Quote ist unfair“, argumentiert Kim. „Denn sie bevorzugt bestimmte Bewerber.“

Text und Foto: Peter Neitzsch

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