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Rum und Rumba – zum Sprachkurs nach Kuba

CAZ Sprachreise Kuba Madeleine Brühl
So sehen kubanische Taxis aus: CAZ-Reporterin Madeleine Brühl ist mitgefahren.

Worum geht's? Studenten, Sprachkurs, Spanisch, Kuba, Havanna

Zwei Währungen, Busfahren bei offener Tür und mehr Reisgerichte als in China – CAZ-Reporterin Madeleine Brühl lernte Kuba als Land mit vielen Gegensätzen kennen.

Um meinem Spanisch mehr Ausdruckskraft und Vokabeln zu verleihen, buchte ich über eine der zahlreichen Internetagenturen eine Sprachreise in die kubanische Hauptstadt mit Unterbringung bei Kubanern. Die Kontraste Havannas sind beeindruckend: die Palmen, die vielen alten Autos, die Häuser, die so marode aussehe, als würden sie gleich zusammenfallen. Dazwischen spannt sich wie ein großes schwarzes Spinnennetz ein Gewirr aus Stromkabeln, das jedem deutschen Ingenieur sofort Schweißausbrüche bescheren würde.

Ein Land mit zwei Währungen

Es ist enorm schwierig, im Voraus und noch dazu aus dem Ausland verlässliche Informationen über dieses Land zu bekommen. Im Internet grassieren vielerlei Gerüchte, die sich vor Ort als falsch entpuppen. In Kuba gibt es zwei parallel existierende Währungen. Einerseits den Peso Convertible (CUC), der in etwa dem Wert des Euros entspricht, und dann den Peso (Moneda nacional). Dabei ist es ebenso wenig wahr, dass Kubaner nur den Peso und nicht die Devisenwährung CUC benutzen dürfen wie die Tatsache, dass Besucher keine Pesos brauchen. Wer keinen Pauschalurlaub macht, sondern als Individualtourist reist, ist sogar auf den Peso angewiesen. Andernfalls entgeht einem jede Menge Interessantes und Skurriles, wie zum Beispiel die Fahrt in einem kubanischen Taxi.

Marode Häuser hinter perfekten Fassaden

Die Altstadt von Havanna ist an den wichtigsten Stellen perfekt saniert und touristisch ausgelegt. Die wenigen Einheimischen dort sind in der Regel Verkäufer oder Taxifahrer, die versuchen, den Urlaubern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch nach nur zweimal falsch abbiegen zeigt sich sofort ein deutlich anderes Bild. Das wahre Havanna besteht aus alten Häusern, die mindestens marode aussehen. Alles wirkt beengter und schmutziger. Besonders im Zentrum von Havanna, das zu den am dichtesten bewohnten Stadtteilen zählt, bietet sich dieses Bild.

Bis vor ein paar Jahren war es in Kuba weder legal zu bauen noch zu kaufen (geschweige denn gab es genügend Materialien), sodass Wohnraum entweder vererbt oder staatlich zugeteilt wurde. Somit sind alle Häuser in Privateigentum, doch da es sich die wenigsten Habaneros leisten können, ihr Haus zu erhalten, werden diese buchstäblich bewohnt, bis die Decke runterkommt. Typisch für Havanna sind auch die engen, lang gezogenen Hinterhofgassen zwischen den Häusern, die nur durch ein kleines Tor von der Straße abgehen, sich jedoch teilweise 50 Meter weit erstrecken und ein Gewirr aus Zäunen und Wäscheleinen beherbergen.

Busfahrt bei offenen Türen

Generell gilt der Grundsatz: „Hauptsache es funktioniert!“ Der Kubaner lebt deutlich unbeschwerter und vor allem unbekümmerter, was Dinge wie Umweltschutz, Verkehrssicherheit oder gesunde Ernährung betrifft. Öffentlicher Nahverkehr ist ein großes Problem, auf dem Land noch gravierender als in der Stadt. Es gehört zum Alltag, dass Busse so überladen sind, dass sie die Türen nicht mehr schließen können und deswegen einfach mit offenen Türen fahren. Die Mehrheit der Taxen sind Autos aus den 1950er Jahren und besitzen dementsprechend keine Gurte – nicht, dass es jemanden stören würde.

Das Nationalgericht der Kubaner ist Reis mit Bohnen, generell essen sie bald mehr Reis als die Chinesen. In nahezu jedem Haushalt steht ein Reiskocher, der unabhängig von der Tageszeit gefüllt zu sein scheint. In Kuba gibt es bis heute Lebensmittelkarten, aber nicht, um die Menschen vor dem Verhungern zu bewahren (auch hier gibt es zusehends mehr Menschen mit Übergewicht), sondern um ihnen finanziell unter die Arme zu greifen. Mit dieser Karte hat jeder Kubaner Anspruch auf ein bestimmtes Kontingent an Lebensmitteln und Hygieneprodukten, die jedoch nicht für den ganzen Monat reichen. Beispielsweise erhält jeder mit seiner Lebensmittelkarte 3 kg Reis, 1 kg Schweinefleisch oder auch 1 kg Kaffee zu sehr geringen Preisen – meistens jedoch auch mit entsprechend geringer Qualität.

Markenkleidung auf dem Schwarzmarkt

Bei einem Spaziergang durch Havanna fällt auf, dass es keine Werbung gibt. Die wenigen Supermärkte werden vom Staat unterhalten. Im Gegensatz zu europäischen Geschäften ist die Produktauswahl dort sehr begrenzt. Dinge, die nicht lebensnotwendig sind, haben eine schlechte Qualität oder sind im Laden nicht erhältlich. Da hilft dann nur noch der Schwarzmarkt, über den die meisten Produkte wie Markenkleidung oder Elektronik zu kaufen sind. Die Organisation erfolgt über das Internet und wird vom Staat zusammen mit den Internetaktivitäten überwacht und toleriert.

Obwohl Kuba ein sozialistisches Land ist, wird man als Tourist ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Für Kubaner sind Ausländer eine wichtige Einnahmequelle und sie verstehen sich ausgezeichnet auf das Geld verdienen mit ihnen. Hier zeigt sich das volle Potenzial der zwei Währungen. Generell gibt es mit Ausnahme des Capitols nichts, was keinen Eintritt kostet. Eine Eintrittskarte für das Gran Teatro de La Habana beispielsweise kostet 30 – CUC für Touristen, Peso für Einheimische, was etwa 1,20 Euro entspricht. Doch auch das ist nicht für alle erschwinglich. Selbst mit zwei Jobs kommen viele Kubaner lediglich auf ein Monatseinkommen von 35 CUC. Das macht Reisen nahezu unmöglich und Flüge ins Ausland unerschwinglich. Das Gewicht der Insel war für mich bereits nach einigen Wochen spürbar, wie muss es sich anfühlen, diese Insel nicht verlassen zu können?

Nicht mit Worten zu beschreiben

Was bleibt, sind unzählige Eindrücke aus einem Land, das so ganz anders ist als alles, was ich bisher kennengelernt habe und sich so wenig in Worte fassen lässt. Chaotisch, schmutzig, bunt, ungezähmt – es gibt viele Worte, die diese Insel beschreiben. Doch sie alle bleiben hinter der Realität zurück.

Text und Foto: Madeleine Brühl

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