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Schnuller im Hörsaal – Albtraum oder cleverer Schachzug?

Das Studium kann einen schon ordentlich vor den Karren spannen. Lässt sich das mit einem Kind vereinbaren? CAZ-Reporterin Jenny Trautmann sprach mit Studentin und Jungmama Cathleen Wolf.

Klischees nicht zu bedienen und gleichzeitig auch noch die Denkmuster anderer durchbrechen – das klingt wie ein ziemlicher „Boss-Move“. Cathleen Wolf hat das geschafft und zwar nicht, indem sie die Musikwelt oder Wissenschaft mit revolutionären Gedanken überflutete. Sie bekam ein Kind. Während des Studiums. Spontan denkt man an einen eher unglücklicheren Zusammenhang, aber es war tatsächlich so geplant. Warum? Weil Cathleen Wolf einen Vorteil darin sieht, wie flexibel man während des Studiums seine Zeit gestalten kann. Die Arbeitswelt kennt sehr häufig nur wenig Pardon, wenn das Baby krank ist – und das passiert während der ersten Monate recht häufig. Wolf hatte Glück, sie stieß vor allem auf Verständnis und Unterstützung. „Aber die Zeit!“, ist mein Einwand, als wir telefonieren, was wir tatsächlich tun, weil Cathleen Wolf zwischen Leipzig und Dresden pendelt. Unfassbar, das auch noch!

Wolf sieht das alles sehr entspannt, auch wenn sie vor dem Kind ein Langschläfer und Abendmensch war. Einerseits liegt das an ihrem Masterstudium in BWL. Die TUD hat ihn glücklicher Weise so gestrickt, dass man sich die Module recht entspannt legen kann. Wolf achtet dann eher auf Blockseminare und Hausarbeiten als Prüfungsleistung statt Vorlesung und Klausur. Andererseits werden die Prioritäten komplett über den Haufen geworfen, sobald das Kind da ist. Das heißt, dass man sich selbst zurücknimmt und von jetzt auf gleich lernt, sich zu organisieren. „Wenn man das Kind früh in die Kita schafft, dann ist man ja eh schon mal wach. Da kann man dann auch gleich was für die Uni machen“, meint Wolf. Auch wenn die Interessen sich komplett auf das Kind konzentrieren, steht man deswegen nicht am Rande der Gesellschaft. Einfach das Sabbermonster mit zur WG-Party der Freunde nehmen, irgendein Bett ist immer frei. Auch die finanzielle Seite muss kein Gegenargument sein. „Schließlich braucht dein Kind nicht das neueste Spielzeug, sondern vor allem Zuwendung und die Liebe“, weiß Wolf – und wir alle wissen, dass die ja zum Glück kostenlos sind.  Sicherlich muss man sich drehen und wenden, unmöglich ist es aber nicht.

Wer jetzt dennoch ungläubig den Kopf schüttelt, der kann sich mal den Blog von Cathleen Wolf zu Gemüte führen. Der ist seit März online und bietet einen sehr guten Einblick in den Alltag mit Studium und Kind. Ich persönlich hänge noch sehr an meiner Unabhängigkeit, daran konnte auch Wolf nichts ändern, was ihr sogar wichtig ist. „Ich will niemanden bekehren. Es ist auch nicht alles durchweg Friede, Freude Eierkuchen. Und den perfekten Zeitpunkt gibt’s auch nicht. Aber ich bereue nichts.“ Na dann, vielleicht sollte man doch noch mal das alte Biologiebuch rauskramen und gucken, wie das jetzt noch mal ging mit den Blümchen und Bienchen …

Wer Infos rund um das Thema Uni mit Kind sucht, findet diese beim Studentenwerk Dresden.

Text: Jenny Trautmann

Foto: Ingo Bartussek/Adobe Stock

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