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Steuererklärung als Student – betrifft mich das?

Die Steuererklärung kann auch für Studenten wichtig sein
Die Steuererklärung kann auch für Studenten wichtig sein

Worum geht's? Studium, Steuererklärung, Nebenjob, Studentenwerk

Was ich beim Nachhilfegeben auf die Hand bekomme, interessiert keinen? Doch! Der Steuerfachmann Thomas Otto erklärt, warum wir uns über das Thema Steuererklärung informieren sollten.

Im April und Mai deutet sich der fröhliche Frühlingsduft, aber auch so langsam das Abgabedatum für die Steuererklärungen an. Nicht nur Freiberufler müssen sich jetzt auf die Abgabe vorbereiten, auch in den Kanzleien klappern die Tasten der Rechner und Computer auf Hochtouren. Thomas Otto ist Steuerberater bei „Alter und Kollegen Steuerberatungsgesellschaft mbH“ in Dresden. Zu seinen Kunden zählen mehrere Studenten, und auch bei den Career Services an den Dresdner Unis hat er bereits Vorträge gehalten.

Seiner Erfahrung nach wissen viele Studenten noch nicht um die Bedeutsamkeit der eigenen steuerlichen Verfplichtungen. „Ich berate einige Studenten, die die Auffassung vertreten, dass die Steuergesetze für sie noch nicht maßgeblich sind. Wer etwas verdient, sollte dies auch korrekt prüfen und deklarieren. Steuern helfen dem Gemeinwohl und ermöglichen neben der Ausbildung für die Schulabgänger natürlich auch die allgemeine Infrastruktur unseres Landes beziehungsweise sichern sie die Zukunft für uns und nachfolgende Generationen.“

Das ist für Studenten wichtig:

Muss ich denn eine Steuererklärung abgeben?

Mit einer Steuerklärung deklariert man seine Einkünfte an das Finanzamt und kann unter Umständen, wenn zu viele Steuern abgezogen worden sind, auch Gelder zurückbekommen. Aber wer muss eigentlich eine Steuererklärung abgeben?

Für das Finanzamt ist es egal, ob man Student oder Schwerverdiener ist – es zählt, dass man etwas verdient und welche Summe im Jahr im Hinblick auf bestimmte steuerliche Freibeträge anfällt. Selbst wenn man eine kleine Anstellung hat oder mehrere kleine Jobs ausübt, können diese in Summe dazu verpflichten, dass eine Steuererklärung abgegeben werden muss.

„Nicht alle Anstellungen müssen erklärt werden. Der Dschungel des Steuerrechts ist ja recht beeindruckend, gerade wenn man mehrere Jobs kombiniert oder vielleicht im Ausland aktiv ist, sollte man seine eigene Situation rechtzeitig unter die Lupe nehmen“, erklärt Thomas Otto. „Grundsätzlich kann man sagen: Sobald die Einkünfte hoch genug werden und nicht dem sogenannten Steuerabzug unterliegen, wird eine Steuererklärung notwendig. Eine Verpflichtung kann auch aufkommen, wenn mehrere Arbeitsverhältnisse vorliegen oder ein Beschäftigungsverhältnis mit der Steuerklassenkombination 3/5. Dieses muss man aber wählen.“ Informiert euch hierzu am besten beim Finanzamt.

Wie bereits erwähnt, verpflichten mehrere Anstellungen zur gleichen Zeit gegebenenfalls zur Abgabe einer Steuererklärung. „Sobald man also zwei parallel ausgeführte Arbeitsverhältnisse wählt, sollte man sich am besten beraten lassen, damit man an dieser Stelle keinen Fehler macht“, ergänzt der Profi.  

Übrigens verpflichten auch alle freiberuflichen Einkünfte, die im Jahr über 410 Euro betragen, zu einer Steuererklärung. Das können zum Beispiel auch Nachhilfestunden sein, mit denen man sein Taschengeld aufbessert. Bei der Steuer gibt es nämlich keine Definition „Nebenberuf“ oder „Unter der Hand verdient“ – alles was man an Einkommen erzielt, muss erklärt werden.

Ferienjob im Ausland – aufgepasst!

Übrigens zählen dazu auch Einkünfte, die man im Ausland verdient hat. Da in Deutschland eine unbeschränkte Steuerpflicht vorliegt, kann es passieren, dass man für Verdienste aus dem Ausland in Deutschland zusätzlich Steuern zahlen muss. In diesem Fall kann man sich zu den Stichworten „Welteinkommensprinzip“ und „Doppelbesteuerungs-Abkommen“ beraten lassen, um herauszubekommen, welche Einkommen dort jeweils reinfallen und welche nicht.

„Ich berate zum Beispiel einige Künstler, die weltweit unterwegs sind. Bei manchen der auf Tournee erzielten Gagen muss man dort eben genauer hinschauen, damit man vor dem Finanzamt korrekt erklärt“, erläutert Thomas Otto. „Nur weil man im Ausland ist und einen kleinen Betrag verdient, befreit diese Einkünfteerzielung nicht von der Abgabepflicht in Deutschland. Auch dann nicht, wenn vielleicht im Ausland bereits Steuern einbehalten worden sind!“

Was man bei der Abgabe beachten sollte

„Zuallererst muss man aufpassen, dass alle Jobs für die man eine Erklärung abgeben muss, natürlich rechtzeitig deklariert werden“, sagt Thomas Otto. Er ergänzt, dass man ab sofort, besonders für die Steuererklärung 2017, auf die pünktliche Abgabe einer Steuererklärung achten sollte, und erklärt: „Ab kommendem Jahr werden die Verspätungszuschläge nämlich automatisiert festgesetzt. Die Fristen findet man alle auf der Website des Finanzamtes.“   

Wenn man die Steuererklärung selbst formuliert, muss man diese bis zum 31. Mai abgeben. Verlängerungen kann man beim Finanzamt beantragen. Oder sich von einem Steuerberater vertreten lassen, der dann andere Fristen hat.

Die Steuererklärung ist seit einigen Jahre über das elektronische Finanzamtsmodul ELSTER abzugeben, es sei denn, man weist nach, dass der Aufwand dafür unzumutbar ist. „Studenten ohne einen eigenen Computer oder Laptop wären von der Übermittlung per ELSTER gegebenenfalls befreit, denn die Eingabe von persönlichen Daten auf öffentliche Computer ist etwas, was ich keinem Studenten empfehlen und zumuten würde“, so der Experte.

Beratungsmöglichkeiten

Wie ihr schnell im Gespräch mit einem Steuerfachmann oder bei der Recherche um die Steuergesetze herausfindet, sind die Regelungen recht komplex. Daher empfiehlt es sich, dass man sich beraten lässt. Natürlich darf man sich mit seinen Fragen an das Finanzamt wenden. Thomas Otto ergänzt allerdings im Gespräch mit der CAZ, dass die Mitarbeiter am Finanzamt zwar im Rahmen eines Gespräches den einen oder anderen Hinweis geben dürfen, die vom Amt gegebenen Erklärungen aber keine rechtsverbindlichen Auskünfte sind, und fügt hinzu: „Die einzige Ausnahme besteht, wenn man sich mit einer kostenpflichtigen, verbindlichen Auskunft an das Amt wendet.“

Studenten können sich des Weiteren bei Fragen an einen Steuerberater oder an sogenannte Lohnsteuerhilfevereine wenden, falls sie Hilfe mit ihren Einkünften und der jeweiligen Besteuerungen benötigen.

Wer darüber hinaus eine Rechtsberatung wahrnehmen möchte, findet als Studierender im Studentenwerk eine Anlaufstelle beim Justiziar Gerd Sureck: „Wir beraten zu allen rechtlichen Anfragen, und dies auch kostenfrei. Wer als Student aber bereits Unternehmer ist und komplexe Einkünfte erlangt, sollte bei steuerrechtlichen Fragen am besten bereits einen Steuerberater konsultieren oder sich ans Finanzamt wenden, da es auf diesem Rechtsgebiet sehr schnell sehr konkret wird.“

Text: Marion N. Fiedler
Foto: AdobeStock/diego cervo

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr ein tolles Projekt, das ihr gerne in der CAZ vorstellen wollt? Oder gibt es Probleme an der Uni, über die wir berichten sollten? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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