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Studentenjob: Der Klassiker Kellnern auf dem Prüfstand

Er ist die Mutter aller Studentenjobs, doch zum Kellnern gehört mehr, als Teller zu balancieren und „Saftschubse“ zu spielen. Erfahrungsberichte von Dresdner Studenten, die es ausprobiert habe.

 

 

CAZ-Redakteurin Franziska Welke begleitet Studentin Marie-Christin Eckert einen Abend lang bei ihrem Kellnerjob.

Als ich am späten Freitagabend in die Taberna Portuguesa eintrete, entrinne ich der Kälte der verschneiten Altstadt. Marie-Christin Eckert, die Lehramt für Physik und Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales (WTH) für Mittelschulen studiert, erwische ich mit einem Tatendrang, den man von ihr kennt. Sie zündet die Kerzen auf dem Tresen an, während eine Kollegin Getränke an der Bar zubereitet. Die Stimmung in dem ebenso gemütlichen wie modernen Gastraum ist entspannt – an einem Freitag ist das Restaurant sonst größeren Kundenansturm gewöhnt.

Lennart Bendix sitzt an der Bar. Er ist ein weiterer Mitarbeiter und studiert Tourismus und Eventmanagement an einer privaten Fachhochschule. Er bereitet sich offensichtlich auf Prüfungen vor und wartet auf seinen Einsatz. „Ich habe mich für diesen Nebenjob entschieden, weil ich schon Erfahrung mit dem Kellnern hatte“, erklärt Lennart. Das Trinkgeld sei ein netter Bonus obendrauf. „Außerdem kann man abends arbeiten, wenn man am Tag in der Uni ist. Ich treffe so immer wieder auf neue Menschen. Es ist hier sehr abwechslungsreich und es gibt immer was Neues.“

Marie-Christin flitzt währenddessen kreuz und quer durch das Restaurant und scheint alles gleichzeitig zu erledigen. Sie nimmt Bestellungen auf, scherzt mit den Gästen und erklärt mit bemerkenswertem Wissen die Gerichte auf der Karte. Nebenbei gelingt es ihr sogar noch, die neue Kollegin an der Bar einzuweisen. Die langjährigen Erfahrungen in diesem Job in verschiedenen Restaurants sind ihr auf jeden Fall anzumerken. Sie arbeitet selbstsicher und koordiniert die Arbeit im Service wie selbstverständlich. Marie-Christin erklärt: „Bei dem Kontakt und der Verarbeitung von Lebensmitteln sammle ich außerdem praktische Erfahrungen für mein Studium im Bereich WTH. Aber am meisten mag ich den Umgang mit den Menschen.“ Und schon stürmt sie wieder davon, um das Essen an den Tischen zu verteilen.

Wer jetzt abgeschreckt ist, kann entspannt bleiben. Keine Panik, beim Kellnern heißt es vor allem: Learning by doing. Es werden oft auch Kräfte ohne Berufserfahrung angestellt, die dann neu angelernt werden. In jedem gastronomischen Betrieb läuft es ganz verschieden, also selbst erfahrene Barkeeper und Kellner müssen immer Neues dazulernen. Aber eines sollte klar sein: Neben großem Engagement sollte man vor allem ein dickes Fell mitbringen. Kritik und forsche Worte muss man einstecken können und dann das Beste daraus machen.

Text: Franziska Welke

 

CAZ-Redakteurin Linda Beutel arbeitet selbst regelmäßig als Kellnerin.

Als Student hat man es schon nicht einfach. Mal abgesehen von dem Pensum an zu bewältigendem Lernstoff hat man kaum genügend Geld. Natürlich gibt es BAföG, Kindergeld und elterliche Unterstützung. Doch nicht jeder kann auf diese Angebote zurückgreifen – so auch ich nicht. Ich studiere Germanistik und Philosophie im 3. Semester und bekomme weder BAföG noch finanziellen Rückhalt von meinen Eltern. Also musste ich mir eine Alternative suchen, um meinen Unterhalt aufzubringen. Als ausgebildete Hotelfachfrau lag eine Anstellung als Kellnerin sehr nahe. Mit meiner Suche begann ich in der Neustadt, wo die meisten Aushilfskräfte gesucht werden und wurde auch nach kurzer Zeit fündig. Die auserwählte Lokalität: Die Jim Beams Bar.

Im ersten Monat war ich zweimal zum Probearbeiten und die Atmosphäre gefiel mir sehr gut. Ich kam wieder und gesellte mich zur monatlichen Dienstberatung. Jeden Monat treffen dort alle Angestellten zusammen, um sich über Vorfälle und Neuigkeiten mit dem Chef und untereinander auszutauschen. Außerdem werden hier auch die Dienste verteilt. Freiwünsche werden oft berücksichtigt, wie zum Beispiel die Verteilung der Stunden in der Uni. Hier gilt: „Uni geht immer vor.“

Die ersten Monate arbeitete ich auf 450-Euro-Basis. Ich hatte eine Menge Spaß, bemerkte aber, dass vor allem im Sommer wenige Dienste für die Aushilfen zur Verfügung standen. Dementsprechend wurde auch das Geld weniger und ich spielte mit dem Gedanken, mir eine andere Stelle zu suchen. Doch zu meinen Gunsten wurde eine Festanstellung frei und ich wurde auf 20 Wochenstunden hochgestuft. Mittlerweile hat es sich eingependelt, sodass ich Donnerstag-, Freitag-und Samstagabend arbeite. Zwar habe ich nun mehr Geld zur Verfügung, doch manchmal wird es mir ein wenig zu viel. Doch von nichts kommt nichts und andere schaffen es ja auch!

Natürlich ist Kellnern der „Klassiker“ als Nebenjob für Studierende, aber man muss dabei bedenken, dass es nicht für jeden etwas ist: Zum einen muss man meist abends arbeiten, auch wenn man am nächsten Morgen wieder früh aufstehen muss, und zum anderen immer dann, wenn die anderen Kommilitonen feiern sind. In der Neustadt zu arbeiten hat den Vorteil, dass man auf gleichaltriges Publikum trifft. Das bedeutet jedoch auch wenig Trinkgeld. Und Trinkgeld ist ein wichtiger Bestandteil im Job eines Kellners. Als Kellner musst du taff und ausdauernd sein. Wenn du das nicht kannst, solltest du dir besser eine andere Stelle suchen.

Text: Linda Beutel, Foto: DragonImages/AdobeStock

 

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