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TU pfeift auf ärztliche Schweigepflicht

Wer sich nachträglich ein ärztliches Attest für eine verpasste Prüfung holen will, muss gegenüber der Uni Details seiner Krankheit verraten. Wieso geht die das was an?

Seit wenigen Jahren gibt es eine veränderte Regelung beim Umgang mit nachträglichen Prüfungsabmeldungen: ein bestimmtes Formular. Dieses muss man den Arzt ausfüllen lassen und innerhalb von zwei Wochen nach der Prüfung einreichen. Was hat es mit diesem Formular auf sich? Name, Geburtsdatum, Anschrift. Kein Problem. Dann kommt jedoch der Teil, wo der Arzt Angaben machen muss. Und direkt in der ersten Spalte muss die genaue Krankheit genannt werden! Wird das nicht getan, ist es gut möglich, dass der Prüfungsausschuss den Antrag ablehnt.

Mit dem Ausfüllen des Formulars wird die Schweigepflicht des Arztes aufgehoben. Warum der Arzt nicht einfach „krank“ sagen kann? Weil nicht jeder Mediziner die Prüfungsordnung kennt und über prüfungsfähig oder prüfungsunfähig entscheiden kann. Hat sich der Patient ein Bein gebrochen, kann er die Prüfung schreiben. Mit einem gebrochenen Arm nicht. So weit so gut. Oder auch schlecht.

Aber dass die Studenten gezwungen werden, die teils sehr privaten Einzelheiten ihrer Krankheit preiszugeben, daran wird seit der Einführung Kritik geübt. Es gibt verschiedene Alternativvorschläge. Die Möglichkeit, „Vertrauensärzte“ einzuführen oder den Arzt nur vage formulierte Krankheitsbilder ankreuzen zu lassen, sind nur zwei Beispiele. Die Kritiker sehen die Privatsphäre der Studierenden gefährdet.

Nun hat Susanne Strahringer, die Prorektorin für Bildung und Internationales an der TU Dresden, eine Empfehlung an die Prüfungsausschüsse herausgegeben. Sie empfiehlt, von dem bisherigen Verfahren abzusehen. Im Gespräch erzählt sie, dass auch sie sich vor allem am Datenschutz stört. Da die Regelung aber gültigem Recht entspräche, sei es sehr schwer, eine Änderung durchzusetzen.

Jede Fakultät hat ihren eigenen Prüfungsausschuss; sie hofft dass möglichst viele ihrer Empfehlung folgen und sich von dem althergebrachten Verfahren entfernen. Ob das tatsächlich passieren wird, bleibt abzuwarten, die Universitätsleitung kann den Gremien schließlich nichts vorschreiben. Da diese Regelung allerdings schon in anderen Städten durchgesetzt wurde, bleibt zu hoffen, dass man sich bald auf eine Alternative einigt.

Eine Verbesserung gibt es allerdings. Während chronische Krankheiten früher überhaupt nicht als Entschuldigung dienen konnten („Man kann sich ja darauf einstellen!“), kann jetzt zumindest mit einer Verschlimmerung argumentiert werden. Darauf haben sich einige Prüfungsausschüsse zuletzt geeinigt.

 

 

Text: Maximilian Helm

Foto: Fotolia/Jakub Jirsak

 

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