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TU-Rektor: „Die Mensa hielt ich für Massenabfertigung“

Rektor Hans Müller-Steinhagen: "Seid neugierig"!
Auch der Rektor war mal Ersti, hier 2010 in seinem ersten TUD-Semester

Worum geht's? TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen, Anfängerfehler, Dynamo

Jeder war mal Ersti, auch der Rektor der TU. Hans Müller-Steinhagen über eigene Anfängerfehler, Stärken und Schwächen der Uni und seine Freizeitgestaltung.

Das neue Semester steht vor der Tür, bald erleben viele Erstsemester ihren ersten Studientag. Erinnern Sie sich an ihren ersten Tag an der Uni? Wie haben Sie sich damals gefühlt?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, ich kam mir an der Uni Karlsruhe völlig verloren vor. Ich saß da in einem Hörsaal mit 500 Leuten, kannte niemanden und wusste weder, wie die Uni funktioniert, noch wie man mit Kommilitonen in Kontakt kommt.

Was war Ihr größter Anfängerfehler?

Dass ich die Möglichkeiten, die die Uni anbot, kaum genutzt habe. Ich bin nicht in die Mensa gegangen, da ich das für Massenabfertigung hielt, ich habe alleine gewohnt und nicht im Studentenwohnheim, ich bin nicht auf Unifeste und dergleichen gegangen. All das hat es mir erschwert, Kontakte zu knüpfen, und es dauerte gut anderthalb Jahre, bis ich mich an der Uni wirklich zuhause gefühlt habe.

Und wie würden Sie das heute besser machen?

Es wird so viel angeboten, um es neuen Studis leichter zu machen. Man muss aber auch Eigeninitiative zeigen, zu Veranstaltungen gehen, das Gespräch suchen. Immer daran denken, dass es den anderen Studis ja ähnlich geht. Man sollte Arbeitsgruppen etablieren, gemeinsam an Hausaufgaben und Projekten arbeiten. Studentische Vereine und Initiativen bieten tolle Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. An der TU gibt es über 50 solcher Gruppen, da ist alles dabei, von der Rennsportgruppe Elbflorace über Sprachlerngruppen bis zum Salsa-Tanzen.

Seit 2012 darf sich Dresden „Exzellenzuniversität“ nennen, ein Titel, der im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Stärkung der universitären Forschung errungen wurde. Hat man als Student im Grundstudium denn auch etwas davon?

Den Titel gab es nicht zuletzt auch für unser Zukunftskonzept, das ja eine Strategie für die ganze Universität darstellt. Zudem kommen die mit der Förderung verbundenen Baumaßnahmen, immerhin 250 Millionen Euro über fünf Jahre, auch der Lehre zugute. Und die neu berufenen Professoren bereichern das Lehrangebot um neue Themenbereiche. Insgesamt wurde die TU attraktiver für internationale Spitzenforscher, aber auch für internationale Studierende. Von dieser Internationalisierung profitieren letztlich alle. Nicht zuletzt musste die TU Dresden aufgrund ihres Erfolges in der Exzellenzinitiative keine Stellen abbauen, wie dies andere sächsische Hochschulen tun müssen.

Sie waren vorher in an vielen anderen Universitäten im In- und Ausland tätig. Im Vergleich: Was gefällt Ihnen an der TU Dresden besser?

Angelsächsische Universitäten lassen sich mit unserer TU nur schwer vergleichen, es gibt ganz andere Strukturen und Größenverhältnisse. Die TU Dresden ist eine Exzellenzuniversität; sie ist in der Dynamik ihrer Entwicklung im deutschlandweiten Vergleich einzigartig. Hier werden immer wieder neue Themen aufgegriffen, die Uni erfindet sich permanent selbst neu. In den letzten fünf bis sieben Jahren gab es enorme Entwicklungen in den Bereichen Lebenswissenschaften und Biomedizin, in denen die TU mittlerweile international zur Spitzengruppe gehört.

Auch die Mikroelektronik, Nanoelektronik, IT und Materialwissenschaften haben sich stark entwickelt, es gibt viele neue Infrastrukturen und Verbünde sowie neue Masterstudiengänge, die daran angebunden sind. Noch eine neue Entwicklung: Der Stadtrat hat jetzt eine Universitätsschule in städtischer Trägerschaft beschlossen. Dort können neue Lehrkonzepte in Kooperation mit den Bildungswissenschaften an der TU in die Praxis umgesetzt werden. Das ist die erste derartige Schule in Deutschland und die Erprobung neuer Konzepte wird von strengen Qualitätssicherungsmaßnahmen begleitet werden.

Gibt es auch offensichtliche Schwächen? Wo wollen Sie anpacken, um die TU Dresden noch weiter nach vorne zu bringen?

Es gibt an einer so großen Universität wie der TU Dresden natürlich immer Verbesserungspotenziale! Wir haben tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowohl im akademischen Bereich als auch in der Verwaltung und Technik. Deren Potenzial kann noch besser genutzt werden, auch zum Wohle der Studis. Zudem ist der Campus ja erst zu 60 Prozent saniert – in Leipzig dagegen schon zu 90 Prozent. Derzeit werden ja unter anderem der Beyer-Bau und der Fritz-Foerster-Bau erneuert. Potenzial haben wir auch bei der Anzahl der englischsprachigen Studiengänge. Das sind derzeit noch viel zu wenige – gerade einmal 12 von 127. Durch eine deutliche Erhöhung der Zahl der englischsprachigen Studiengänge könnte die TU noch attraktiver für ausländische Studierende werden.

Wie schalten Sie nach einem anstrengenden Uni-Tag ab?

Für mich endet der Arbeitstag oft erst gegen 22 Uhr. Dann gönne ich mir ein Glas Wein und reflektiere mit meiner Frau den Tag. Im Urlaub oder auch am Wochenende wandere ich sehr gerne. Ich bin auch Vereinsmitglied bei Dynamo, gehe gerne in die Semperoper, fahre Ski und klettere ab und an in der Sächsischen Schweiz. Das Wichtigste ist aber, Zeit mit Freunden zu verbringen. Zum Beispiel habe ich noch Kontakt zu einigen Freunden aus der Schul- und Studienzeit. Erst kürzlich begegnete mir zufällig vor dem Rektorat ein ehemaliger Kommilitone, dessen Tochter jetzt in Dresden Psychologie studiert.

Was sollten sich auswärtige Studierende in Dresden auf keinen Fall entgehen lassen?

Da gibt es so vieles! Das Stadtfest, die Lange Nacht der Wissenschaften und im Januar die Übertragung des Semperopernballs auf dem Theaterplatz vor der Oper. Die Sächsische Schweiz ist traumhaft schön, aber auch die Biergärten an der Elbe sind großartig – z. B. der Schillergarten. Und an der TU gibt es ja noch viel Studentenkultur.

Wollen Sie unseren Lesern sonst noch etwas mit auf den Weg geben?

Die Studierenden sollten ihre Möglichkeiten nutzen. Ein Studium ist sehr viel mehr, als nur ein paar Jahre für den Abschluss zu lernen. Man sollte persönliche Erfahrungen machen, Menschen kennenlernen, aktiv sein, sich engagieren. Es gibt auch viele Möglichkeiten, sich einzubringen, etwa die Fachschaftsräte, den StuRa, studentische Vereine, egal ob sozial, kulturell, fachlich, sportlich oder politisch. Das Studium ist eine hervorragende Zeit für die persönliche Entwicklung, um Stärken und Schwächen zu identifizieren und seine eigenen Interessen zu finden. Seid offen für Neues, seid neugierig!

Interview: Marcel Sauerbier
Foto: Archiv/Paul Stadelhofer

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