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Uni für Dummies? Wie Studenten betrügen

Worum geht's? TU Dresden, Prüfungen, Betrug, Spickzettel

Immer mehr Studenten in Deutschland sollen sich durch ihr gesamtes Studium schummeln. CAZ hat sich am TU-Campus umgehört, wie es Dresdner Studenten mit der Ehrlichkeit halten.

Wenn in der Schule die Mathe-Arbeit nahte und man trotz schlafloser Nächte nur noch Zahlensalat im Kopf hatte, schrieb man sich einen Spickzettel. Für die meisten blieb das aber die Ausnahme, denn wer kann sich schon durch‘s ganze Abi mogeln? Und vor allem, wer will das schon? Hört man sich an deut­schen Hochschulen um, scheint diese Einstellung jedoch eher die Ausnahme zu sein. Es wird gespickt und plagiiert, was das Zeug hält. In einem Bericht von „Spiegel online“ gibt ein Student der Sozialwissenschaften sogar zu, dass 75 Prozent seiner Uni-Leistungen Betrug seien.

Fakt ist: Die Unis machen es ihren Studenten nicht gerade schwer, sich ihre Studienleistungen zu erschummeln. Multiple-Choice-Tests laden regelrecht dazu ein, einfach das Kreuzchen an die Stelle zu setzen, wo es der Kommilitone eine Reihe weiter vorn gemacht hat. Da muss man noch nicht einmal die richtige Antwort im Wortlaut lesen können. Und wenn ein einziger Dozent die Prüfungsaufsicht über mehr als hundert Studenten hat, kann er natürlich unmöglich jeden im Auge behalten.

Doch wie sieht das in Dresden aus? Kreativ war man schon immer. So verrät ein Lehramtsstudent im Fach Ethik: „Mitte der 2000er Jahre habe ich auf meinen alten Handys meine Aufzeichnungen für meine damalige Lateinprüfung draufgehabt. Niemand hätte zu der Zeit, also bevor alle Handys internetfähig waren, damit gerechnet, dass ich mein Handy zum Spicken nutze.“ Und ein Student der Politikwissenschaft an der TU im fünften Semester meint sogar: „Klausuren sind ohnehin sinnlos. Da geht es ja null darum, ob man ein Thema verstanden hat oder um die Ecke denken kann, sondern nur, ob man den Stoff ungefragt absorbiert hat. Ich kann zum Beispiel null auswendig lernen – und weil mir diese völlig nutzlose Fähigkeit fehlt, habe ich schlechtere Noten. Das gleiche ich hin und wieder durch einen Zettel im Block aus.“

Nachdenklich wird man auch, wenn man die Aussage eines TU-Maschinenbaustudenten im dritten Semester hört: „Es ist leider zu einfach, hier und da mal eine Note zu verändern. Einen Laufzettel, wo meine Dozenten Noten eintragen und den ich dann selbst zum Prüfungsamt bringen muss? Und dann schreibt meine Dozentin mir, ich solle selbst die Note eintragen? Entschuldigung, das ist eigentlich nicht mein Stil, aber der Versuchung bin ich nicht gewachsen.“

Trotzdem scheint es noch Kommilitonen zu geben, die ehrlich sind. Eine Soziologie-Studentin der TU sagt: „Bei uns im Studium war es nie wirklich nötig zu betrügen. Bei den wirklich schweren Sachen wie Statistik durfte man ja alles benutzen, Aufzeichnungen und Taschenrechner. Bei anderen Sachen hätte Spicken so wie ich das sehe auch nicht wirklich geholfen. Ich verurteile aber niemanden, der es macht.“

Text: Ute Nitzsche
Foto: photocase/erdbeersüchtig

Und jetzt seid ihr dran: Problem an der Uni? Stress mit dem Prof? Behördenwillkür? CAZ geht dem nach (und ihr bleibt anonym). Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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