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Woofing: Ponys und Punks an der Algarve

Woofing an der Algarve
War da nicht was mit Strand und Sonne? Die Algarve hatte sich CAZ-Autorin Tanja Stich (Mitte) irgendwie anders vorgestellt.

Worum geht's? Volunteering, Woofing, Workaway, Algarve

Die Idee: einmal eine Weile auf einer Farm arbeiten. Die Realität: ein selbst gebautes Domizil mit Wohnwagen. CAZ-Reporterin Tanja Stich war als Volunteer an der Algarve.

In den Semesterferien sollte ein weiterer Punkt von meiner Bucketliste gestrichen werden: Woofing (zu Deutsch: Farmarbeit) an der portugiesischen Algarve. Über workaway.info fand ich Gastgeber, die freie Volunteer-Stellen zu vergeben hatten. Auf meine Anfrage meldete sich Dani: Sie und ihre Familie sowie drei weitere Familien plus Tiere wohnen mitten im Nirgendwo von Portugal in einem Naturschutzgebiet. Art der Arbeit: Küchenarbeit, Gartenarbeit, Tiere füttern, Holz machen. Sanitäre Anlagen: Komposttoilette, Solardusche.

Klingt perfekt, dachte ich und buchte meinen Flug. Wie sich herausstellte, waren meine „portugiesische“ Gastfamilie ausgewanderte Punks aus Deutschland, die mich mit lauter Musik und Pizza in ihrem selbst gebauten Domizil, bestehend aus einem kleinen Haupthaus, verschiedenen Wohnwagen für die Woofer und einem riesigen sandigen „Garten“ mit vielen Katzen, Hühnern, Hunden und Kindern begrüßten.

Pferdemist fahren und Esel einfangen

Der übliche Arbeitstag startete mit dem Einsammeln der Pferdeäpfel. Morgens um acht ging es mit dem Auto zur Koppel. Die „Straße“ war steinig und die Fahrt entsprechend ruckelig, sodass man auf jeden Fall wachgeschüttelt wurde. Es hatte seit Monaten nicht geregnet, ein Gefühl wie mitten in der Wüste. Nach nur einem Tag hatte sich über alles, inklusive mich, eine Decke aus Staub, Sand und Dreck gelegt.

Danach ging es in den Garten, in dem man den Tag mit wässern, anpflanzen oder Unkraut jäten zubrachte, oder aber man mistete den Hühnerstall aus, fütterte die Schweine, fuhr Pferdemist von A nach B, versuchte ausgebüchste Esel zurückzuholen und „putzte“ im Haus (es blieb trotzdem dreckig). Nach der Arbeit gab es eine kalte Dusche und anschließend warteten alle auf das Abendessen. Um spätestens 20 Uhr ging es für die erschöpften Neulinge in das leider oft kalte Wohnwagenbett. Tipp: nicht am Schlafsack sparen; eine Taschenlampe hilft, den Weg zum Bett und zum Klo zu finden.

Urlaub für echte Naturmenschen

Nach drei Wochen verfügte ich über beträchtliche Armmuskeln, eine neue Technik für schonendes Kaltduschen, eine tiefe Dankbarkeit für eine heiße Dusche, eine warme Decke, Strom zu jeder Tages- und Nachtzeit und für das süße Nichtstun. Empfehlen würde ich diese Erfahrung allen, die Natur und Tiere mögen, kein Problem mit Läusen (die waren bei mir zum Glück schon tot), Pferdemist und Bescheidenheit haben und endlich mal wieder die Milchstraße sehen wollen. Nicht zu empfehlen ist so ein Urlaub für Kleidung, die wieder sauber werden soll, Reinlichkeitsfanatiker im Allgemeinen und Menschen, die ungern drei Wochen lang Ohrwürmer deutscher Punkperlen im Kopf haben.

Text: Tanja Stich
Foto: privat

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr ein tolles Projekt, das ihr gerne in der CAZ vorstellen wollt? Oder gibt es Probleme an der Uni? Über welche Campusthemen sollen wir in der CAZ berichten? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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