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Allahu Akbar am Amalie-Dietrich-Platz

Morgenland. Wie reagiert sie, diese Stadt? Diese Stadt, in der 0,4 Prozent islamischen Glaubens sind. Diese Stadt, in der die PEGIDA-Bewegung 25.000 Menschen anlocken kann. CAZ wagt das Hallo-Islam-Experiment. Als Muslim verkleidet wird der Gebetsteppich ausgerollt, am Hörsaalzentrum und am Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz. Ein Erfahrungsbericht, nein, eine Schilderung.

Ziel ist ein bisschen Provokation und das Einfangen der Reaktion: Dass Muslime sich zum Beten eher in Räumlichkeiten zurückziehen und sich an feste Gebetszeiten halten, spielt keine Rolle. Unsere erste Station, das Hörsaalzentrum der TU Dresden. Elf Uhr, Pausenzeit, Studenten bevölkern den mondänen Glasbau.

Wir packen den Koran aus, der Gebetsteppich wird ausgelegt, Ausrichtung Südost, Mekka. Takbir, Allahu Akbar! Doch der Anblick eines betenden Muslims scheint niemanden zu interessieren. Die Anwesenden ziehen an Zigaretten und löffeln am Joghurt. Quasseln. Kurze Blicke, rasches Vorbeigehen, der TU-Student an sich kennt „ungewöhnliche“ Aktionen.

Ortswechsel. Gorbitz, Amalie-Dietrich-Platz. Problembezirk, umgangssprachlich auch mal „Gaza-Streifen“ genannt. Gaza, ein muslimisches Stückchen Land! Auf dem zentralen Amalie-Dietrich-Platz dasselbe Spiel wie am Hörsaalzentrum. Gebetsteppich ausrollen, Peilung auf Mekka. Niemand spricht uns an. Aber: Die Menschen bleiben stehen, sind irritiert, wundern sich.

Zwei Mädels, frischpubertierend hochgeschminkt, schütteln energisch den Kopf, ihre Goldkreolen klimpern, sprinten dann zur Straßenbahn. Lange verharren auch zwei überdimensionale Netto-Tüten um die vierzig, die sich vorsichtig annähern, den Koran sehen, sich vorsichtig zurückziehen und vorsichtig die Aktion aus dem Hintergrund observieren. Durch die Plastikfolie der Tüten schimmern 15 Fischstäbchen.

Gegenüber den zeitlosen Netto-Tüten verlässt ein etwas beleibter Herr die schützende Deckung des Straßenbahnstation-Wartehäuschens. Er beobachtet mit einer Mischung aus Feldmarschall und „Neu-ist-böse“ das Auf und Ab des Betenden. Offensichtlich hat er ein kleines Problem, die Szene irgendwie einzuordnen. Sein Smartphone meldet sich, er dreht sich um, schwupps, kein Interesse mehr an der Islamisierung des Abendlandes. Schade. Er steigt in die Straßenbahn ein. Von den Aussteigenden verlangsamen nur die wenigsten ihre eiligen Schritte: Ah, Allahu Akbar, ich muss nach Hause.

Fazit? Niemand hat gepöbelt. Niemand wurde aggressiv. Wenigstens etwas.

Text: FG, Foto: JK

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