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Beutet Dresdner Staatsoper Studenten aus?

Um sich ihre Finanzen aufzubessern, jobben manche Studenten im Besucherservice der Semperoper. Nun gibt es Unstimmigkeiten, welche Rechte ihnen bei ihrem Minijob zustehen.

Yvonne Rackel, Susanne Tuma, Lisa Jahnke, Linda Suritsch und Viktoria Felde sind stinksauer: „Bereits im vergangenen Jahr wurden wir darauf aufmerksam, dass unsere Arbeitsverträge nicht den gesetzlichen Bestimmungen, die im Rahmen eines 450-Euro-Jobs seitens des Arbeitgebers zu gewährleisten sind, entsprechen“, beklagen die Dresdner Studentinnen. Es geht um die Zahlung von Wochenend- und Feiertagszuschlägen, Entgeltfortzahlzungen im Krankheitsfall und bezahlten Erholungsurlaub.

Die jungen Frauen suchten deshalb bei Dr. Klemens M. Rasel von der Dresdner Kanzlei RARA Rechtsanwälte Hilfe. Er riet ihnen, sich an die Leitung des Besucherservice und die Personalleitung der Semperoper zu wenden. Dort wurden ihre Forderungen jedoch lapidar zurückgewiesen. „Uns wurde vermittelt, wir seien lediglich Aushilfen und uns könnten daher die Rechte, wie sie geringfügig Beschäftigten zustehen, nicht gewährleistet werden.“ Allerdings arbeiten die Studentinnen schon mehrere Jahre regelmäßig bei der Semperoper. „Gesetze seien eben Auslegungssache und als Oper müsse man schauen, was man gewährt“, berichten die fünf empört von ihrem Gespräch mit der Personalleiterin. Dabei ist die Dresdner Oper ein Staatsbetrieb. CAZ hat bei der Semperoper nachgefragt: „Im Cos­tumer Information Center – sogenanntes CIC – des Besucherservice der Staatsoper Dresden wurden in den letzten Jahren studentische Aushilfen im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften und insbesondere auch unter Beachtung des ab dem 1.1.2015 geltenden Mindestlohngesetzes beschäftigt.“

Alles in Butter also? Anwalt Rasel sieht das anders. Er versuchte, eine außergerichtliche Einigung mit der Kaufmännischen Geschäftsführung der Oper zu erzielen und forderte, die laufenden Verträge der geltenden Gesetzeslage anzupassen sowie rückwirkend Zuschläge neu abzurechnen und Nachzahlungen zu leis­ten. Als Antwort erhielten die fleißigen Studentinnen aber nur eine Ablehnung durch den Geschäftsführer. Begründung? Keine! Und: Es folgten prompt Kündigungen, die sich seit diesem Monat bemerkbar machen. Denn seit Mai wird an Sonn- und Feiertagen kein telefonischer Kartenservice mehr angeboten, der laut Aussage der Studentinnen bis jetzt ausschließlich von geringfügig beschäftigten Mitarbeiterinnen abgedeckt wurde.

Alles nur Zufall? Die Semperoper erklärt: „Im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Evaluierung der eingehenden Telefonate hat sich herausgestellt, dass die Kunden die Möglichkeit, den Kartenservice am Sonn- und Feiertag auch telefonisch in der Schinkelwache zu erreichen, so gut wie nicht mehr nutzen. Aus diesem Grund wurde entschieden, den telefonischen Kartenservice an Sonn- und Feiertagen nicht zu besetzen.“ Yvonne, Julia, Susanne, Linda und Viktoria sind fassungslos und wollen nun Klage einreichen. Sie sind enttäuscht, dass gerade ein Staatsbetrieb die Gesetze so kreativ auslegt. Der große Glanz der Oper veträgt sich nicht mit kleinlicher Studentenabzocke.

 

Text: Ute Nitzsche

Fotos: Ute Nitzsche, Fotolia/ptnphoto

 

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