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In der Trüffelfüllung der Exklusivität: CAZ war dabei

Der Semperopernball hat den Ruf, ein Event der Super-Über-Extraklasse zu sein. Was ist da dran? Wir haben CAZ-Reporter Max Helm in einen feinen Zwirn gesteckt und zum Ball geschickt.

 

 

 

Ja, wir waren dabei. Beim Semperopernball 2016. „Dresden schillert - der Ball ist bunt“ sollte in diesem Jahr ein besonderes Statement an die Welt sein. Der MDR überträgt live, 2000 Gäste in der Semperoper, noch viel mehr davor. Und wir mittendrin. Ein Erlebnisbericht.

Ich hatte bis zum Schluss nicht wirklich geglaubt, dass es klappt. Aber dann hatte ich sie in den Händen, meine Presseakkreditierung. „Maximilian Helm - CAZ - Bereich 1“. Erstes Problem: Der Dresscode sagte „ schwarzer Smoking“. Nachdem ich zufrieden feststellte, dass mein schwarzer Abiball-Anzug noch passt, hatte ich tatsächlich kurz Angst, er ginge nicht als Smoking durch. Doch als ich 19 Uhr die Semperoper betrat, krähte niemand danach – es war viel zu viel Trubel.

Einrichten in der Presselounge, Kamera geschnappt, auf den roten Teppich! Natürlich führte der Weg DURCH denn Ballsaal – voll dekoriert und bestückt mit Kameratechnik, ein eindrucksvoller Anblick. Aber erst mal zum roten Teppich. Und ja, im Fotobereich des roten Teppichs ist es so ätzend, wie man es sich vorstellt. Zehn Paparazzis schreien die Promis um die Wette an, hauen sich gegenseitig Ellenbogen in die Seiten und versuchen das beste (=wertvollste) Foto zu bekommen. Sind die Objekte der Begierde weiterflaniert, wird gelästert, über Geschlechtsteile geredet oder sich über die neusten Szenedrogen unterhalten. Ja, das ist wirklich passiert. Klar sind nicht alle so, aber ich stand neben einigen … Unikaten.

Waren die Wulffs, Thomas de Maizière, Kurt Biedenkopf, Dirk Hilbert und viele andere vorbeigerauscht, ging das Programm los. Zeit, Richtung Presselounge zu gehen. Und draußen auf dem Theaterplatz einen Blick auf die Menge zu werfen. Und ganz ehrlich … 15.000 Menschen? Seltsamerweise wurde in jeder Presseinformation schon von 15.000 Gästen gesprochen und dann wird genau diese Zahl erreicht? Es sah für mich auch nach deutlich weniger aus. Naja, der „Weltrekord im Quadrille-Tanzen“ wird ohnehin keine derart großen Wellen schlagen.

Dann warten. Show ansehen. Vielleicht passiert ja was Aufregendes. Passierte aber nicht. Wer da mal reinschauen will, kann das beim MDR tun. Um 23 Uhr dann: Stress – die Veranstaltung sollte um 23 Uhr zu Ende sein, Fotografen drängen sich vor den verschlossenen Türen und beschweren sich, dass sie nicht (in die laufende Show!) reinplatzen dürfen. Okay. Doch dann endlich, die Show ist vorbei, Stanislaw Tillich eröffnet den Ball und wir dürfen uns ins Getümmel stürzen. Foto hier, Gespräch da und natürlich jede Menge zu gucken. Und dann, um zwei Uhr, mussten alle Kameras abgegeben werden. Denn niemand will auf der Aftershowparty fotografiert werden. Für mich das Zeichen, mein Pressekärtchen im Sakko verschwinden zu lassen und mich undercover unter die Gäste zu mischen. Zu Livemusik tanzen bis früh um 5. Es gibt Schlimmeres.

Und? Wie war es nun? In der Trüffelfüllung der Exklusivität? Sagen wir es so: Ich fühlte mich als Praktikant und nicht dazugehörig. Neben Bild-Starfotograf, Leuten von RTL und der Süddeutschen Zeitung stellt man sich selbst als CAZ-Redakteur automatisch auf eine andere Stufe. Und der Ball war dekadent. Die Getränkekarte startete bei einem kleinen Radeberger für 4 Euro, zog sich bis zur Magnum Flasche Champagner für 580 Euro. Gegenüber der Berg Austern, 3,50 Euro das Stück. Beheizte Raucherbereiche, Türbutler, großartige Livemusik und das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Und wenn Gäste sich bei der Charity-Sammlung des Roten Kreuzes bekriegen, wer mehr 100-Euro-Scheine in den Topf wirft, dann fällt selbst mir einfach nichts mehr dazu ein.

Dennoch – trotz oder vielleicht gerade weil ich so in diese fremde Welt eintauchen durfte, hat sich der Abend absolut gelohnt. In der Semperoper vor wunderschöner Kulisse zu Orchestermusik Walzer tanzen. Leider geil. Mit hochgestylten Szenegirls oberflächliche Gespräche führen. Leider witzig. Mit Profijournalisten zusammenarbeiten. Leider interessant. Ja, den Semperopernball umweht ein Hauch von Absolutismus. Innen die Creme, draußen der Pöbel. Und jede Betonung des „Balls für alle“ klang arg zynisch. Aber ich persönlich habe es trotzdem sehr genossen. Nie würde ich mir für 2000 Euro eine Tischkarte kaufen. Aber einmal dabei sein. Das war es definitiv wert.

Wer Lust hat, den Abend noch mal nachzuverfolgen, dem kann ich die Nachlese auf unserem Twitter-Account @cazlesen nur ans Herz legen. Da gibt es auch exklusive Bilder vom roten Teppich, Selfies und ein bisschen Spott.

Text und Fotos: Maximilian Helm

 

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