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Menschenkette: Schulterschluss gegen Ausschluss

Worum geht's? Dresden, 13. Februar, Menschenkette, Bombardierung, Frieden

Mit dem Ziel, die Altstadt zu umschließen und dabei ein friedliches Zeichen gegen Gewalt zu setzen, versammelten sich gestern Abend 12 000 Menschen in der Innenstadt. CAZ-Autorin Madeleine Brühl war dabei.

 

Am gestrigen Tag jährte sich zum 72. Mal die Bombardierung Dresdens. Um ein Zeichen gegen Krieg und rechte Ideologien zu setzen, finden sich seit 2010 tausende Menschen zusammen und schließen eine Kette um die Dresdner Altstadt. Auch in diesem Jahr versammelten sich um 17.15 Uhr zur Auftaktveranstaltung viele Menschen auf dem Neumarkt. Neben vielen älteren Teilnehmern fanden sich vor allem Studenten sowie Familien mit Kindern an der Bühne vor dem „Monument“, der Bus-Skulptur des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni an der Frauenkirche, ein.

Unter ihnen ist auch die Physikstudentin Mona: „Ich bin bereits das dritte Mal bei der Menschenkette, weil es jedes Jahr wieder wichtig ist, dass man Präsenz zeigt.“ Der Aufruf zur Menschenkette kam von Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zusammen mit Kirchen, Institutionen, Vereinen und Initiativen. „Wir stehen heute hier und erinnern uns an die tausenden Dresdnerinnen und Dresdner, die bei den Bombenangriffen vom 13. bis 15. Februar starben. Trauer und Mitgefühl für die Opfer sind ein Gebot der Menschlichkeit. Unser Erinnern muss die Brücke in die Gegenwart schlagen, um relevant zu bleiben“, so Hilbert. Er erinnerte auch an die Kriege in Syrien und in der Ukraine und rief zum friedlichen Dialog über Integration, aber auch die Zerstörung Dresdens im 2. Weltkrieg auf.

Versammlungsleiter war wie bereits in den letzten Jahren TU-Rektor Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen (Foto). Er ermutigte die Dresdner, ein positives und weltoffenes Bild der Stadt zu vertreten und sich nicht einschüchtern zu lassen. Moritz, der Mechatronik studiert und mit seinen Freunden an der Menschenkette teilnimmt, sieht das genauso: „Man muss ja wohl gegen die rechte Stimmung in Dresden ankämpfen und angemessen der Zerstörung Dresdens und den Opfern des National­sozialismus gedenken und nicht wie die Nazis das machen. Dabei finde ich hier den gedanklichen Bogen zur Zerstörung Aleppos ganz passend“, sagt er in Hinblick auf das „Monument“.

Um 17.30 Uhr kam Bewegung in die Menge und die Aufstellung zur Menschenkette begann. „Die meisten müssen halt lernen oder haben keine Lust, aber ich find das schon wichtig zu kommen. Die Stimmung hier in der Innenstadt ist sehr friedlich“, erklärt Kilian, der an der TU Maschinenbau studiert, auf dem Weg zur Augustusbrücke. Die Route um die Altstadt ist etwa vier Kilometer lang und führt von der Frauenkirche über den Altmarkt zum Theaterplatz und von dort über die Augustusbrücke bis zur Carolabrücke und zurück zum Neumarkt.

Als um 18 Uhr alle Kirchenglocken in der Innenstadt zu einem 15-minütigen Geläut ansetzen, stehen die Menschen bereits dicht gedrängt und in Schlängellinien auf der Augustusbrücke. Nur kurz schafft es eine linke Gruppe, den Zusammenschluss zu verhindern. Dann umschließen 12 000 Menschen im Gedenken an die Bombardierung und in der Hoffnung auf eine friedlichere Welt die Dresdner Altstadt. Als die Glocken verstummen, löst sich die Kette langsam auf. Ein paar Minuten später scheint alles wie zuvor. Wie viel von diesem Zusammenhalt bleibt, muss sich zeigen.

Text und Fotos: Madeleine Brühl

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