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Nach der Wahl: „Donald Trump ist ein Ungeheuer!“

Worum geht's? Donald Trump, US-Präsident, US-Wahl

Was sagt ein US-Amerikaner zum neuen Präsidenten? CAZ traf sich mit Michael Luick-Thrames. Er lebt in Dresden und schildert, wie er die Wahl zu Hause in seiner Heimat miterlebt hat.

 

CAZ-Leser kennen ihn bereits: Vor zwei Jahren trafen wir uns schon einmal mit Michael Luick-Thrames, um sein Projekt „Traces“ vorzustellen. Der Historiker und gebürtige Amerikaner lebt seit 2013 in Dresden und hat hier mit dem Verein Spuren e. V. die deutsche Version von „Traces“ ins Leben gerufen. Vergangenes Jahr hat Michael über acht Monate in seinem Heimatbundesstaat Iowa für den US-Senat kandidiert. Die Wahl zum neuen US-Präsidenten hat er in seiner Heimat erlebt. Seit Anfang Januar ist er nun wieder in Deutschland. Kurz vor der Amtseinführung Trumps hat sich CAZ-Redakteur Robert Härer mit ihm zum Gespräch getroffen.

Was waren deine prägendsten Eindrücke in dieser ereignisreichen Zeit?

Um eines vorwegzunehmen: Ich habe die Wahl nicht gewonnen – mir war dies als freier Kandidat aber auch unmöglich. Dennoch ist es mir in dieser Zeit gelungen, die öffentliche Debatte, gerade in entscheidenden sozialpolitischen Themen sowie der Umwelt- und der Energiepolitik, mitzugestalten. Die Entscheidung als unabhängiger Kandidat ins Rennen zu gehen, war keinesfalls einfach, ist von mir aber sehr bewusst getroffen worden. Es ist bei Weitem nicht nur eine Frage der Finanzierung, es geht um sehr viel mehr und hierbei muss nicht extra betont werden, wie korrupt die beiden großen Parteien in den USA sind.

Das fängt beispielsweise schon bei der medialen Aufmerksamkeit an. Wenn bei einer Kandidatenvorstellung im Lokalfernsehen von fünf nur zwei Wahlkandidaten eingeladen werden oder man im Radio auf seine Kandidatur bestehen muss, um zeitlich wenigstens zwei Minuten sprechen zu dürfen, wo andere mehr als dreißig Minuten zugestanden wird, so sprechen wir in den USA ganz klar von einer Scheindemokratie. Der Feind ist in erster Linie nicht die Konkurrenz, weshalb ich auch gemeinsam mit anderen zusammen viel bewegen konnte. Der Feind ist allein das System.

Wird die USA im Jahr 2017 zu einem Land der Unberechenbarkeit unter Präsident Trump?

Es stehen uns harte Zeiten bevor, nicht nur in meinem Heimatland, sondern weltweit. Donald Trump ist meines Erachtens völlig unberechenbar, auch wenn Freunde und Verwandte aus Iowa noch auf eine Mäßigung seinerseits hoffen. Diese Hoffnung habe ich nicht. Trump ist ein Ungeheuer, bei dem man am liebsten für die nächsten vier Jahre die Augen verschließen und danach wie gewohnt weitermachen würde. An seinem Umgang mit Twitter erkennt man etwas Wesentliches sehr gut: Es findet keinerlei Austausch statt und das ist keine Demokratie. Natürlich wird die US-Wirtschaft besser sein als vor acht Jahren, aber auch nur, weil die Lorbeeren des Vorgängers geerntet werden. Ich bin kein Wahrsager, halte es aber für sehr wahrscheinlich, dass ab Amtsantritt die Fremdenfeindlichkeit auf ein neues Niveau gehoben wird.

Inwieweit trägt Spuren e. V. zum Abbau von Rassismus insbesondere in Dresden bei?

Menschen auf der ganzen Welt schaffen und prägen Lebenswege, sie schreiben mit ihren Spuren Geschichte. Spuren e. V. vereint Menschen unterschiedlicher Kultur und regt zum Austausch durch Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Workshops an. Wir müssen „Nein“ sagen zur zunehmenden Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile, wie sie mir fast täglich in Dresden begegnen, abbauen und uns gegen Ausgrenzung jeglicher Art stellen. Selbst wenn manchmal am Ende eines Tages von Schülern einer 9. Klasse nur die Erkenntnis festgehalten werden kann, dass Ausländer auch Menschen sind ...

„Traces“ (deutsch: Spuren) ist ein gemeinnütziges Projekt. Es betrachtet Geschichte als die Summe vieler individueller Lebensläufe, welche die Menschen selbst gestalten und die nicht an Landesgrenzen und Nationalitäten gebunden sind. Kurz gesagt: Menschen hinterlassen Spuren, sie machen Geschichte – und können deshalb Geschichten erzählen. In Veranstaltungen, Ausstellungen und Begegnungen mit Zeitzeugen verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Ansichten soll das Verständnis dafür und gleichzeitig Toleranz und Respekt gestärkt werden.

Interview: Robert Härer
Foto: Archiv/Maximilian Helm

 

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