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Stadtführung mit KRETA: Leider sehr einseitig

Stadtrundgang mit KRETA durch Dresden
Stadtrundgang mit KRETA durch Dresden

Worum geht's? TU Dresden, Dresden, Frauenkirche, Jorge Gomondai, Sarrasani

Die „Kritischen Einführungstage“, kurz KRETA, sind vorbei. Was haben sie gebracht? CAZ-Redakteurin Nerea Eschle hat an einer der Stadtführungen teilgenommen – und äußert durchaus Kritik.

Mit KRETA sollen Studenten und Nicht-Studenten in gesellschaftlichkritische Themen einsteigen. In dem breiten Programm gab es dieses Jahr täglich Veranstaltungen, von Vorträgen, Workshops, Diskussionsforen bis zu Fahrradtouren und Stadtführungen.

„Auf die erste Veranstaltung von KRETA kam ich zufällig. Jemand hat einen Vortrag über ‚feministischen Porno‘ im Café unsere Hochschule gegeben“, erzählt Sebastian Schrader, Student an der Kunsthochschule. „Am Sonntag war ich dann bei der Fahrradtour von Critical Mass, da hab ich von der Stadtführung gehört“, erzählt er. Wir wollen an einer Stadtführung durch Alt- und Neustadt teilnehmen, die erklären soll, was Dresden mit der Kolonialgeschichte zu tun hat.  

Treffpunkt für den Rundgang ist der Jorge-Gomondai-Platz in der Neustadt. Eine Menschentraube von etwa 20 Leuten hat sich um die zwei Stadtführerinnen gebildet, die zu verschiedenen Ecken in Dresden geschichtlichen und rassismuskritischen Input geben werden.

„Völkerschau“ im Zirkus

Der Rundgang wird von „Postkolonial“ angeboten. Psychologie-Studentin Anna stellt die Gruppe vor: „Postkolonial als Gruppe entstand aus einem Geschichtsseminar der TU Dresden 2013. Neben einem Blog kam dann die Idee, einen Rundgang zu machen, so als cooles Bildungsformat.“ Anna fragt in die Runde: „Was wisst ihr über Postkolonialismus? Was ist das für euch?“ Kurzes peinliches Schweigen. Eine Teilnehmerin sagt zögernd: „Für mich ist das die Zeit nach dem Kolonialismus. Also in erster Linie nur die zeitliche Einteilung.“ „Genau, wir befinden uns theoretisch in einer Zeit des Postkolonialismus, in dem aber viele Überbleibsel vom Kolonialismus überdauert haben. Das reicht vom Kapitalismus in Form von Expansion und Ausbeutung bis zum Alltagsrassismus“, erklärt Anna. „Fakt ist, dass es keine zeitliche Begrenzung von Kolonialismus gibt und das er immer noch wirkt.“ Dieser Rundgang soll euch die Chance geben, diese Spuren zu entdecken.“

Der Treffpunkt am Jorge-Gomondai-Platz vor der Gedenktafel ist nicht zufällig gewählt. Hier wurde 1991 ein in Mosambik geborener Mann Opfer von rassistischer Gewalt. „Die Aufarbeitung dieser Tat hat lange gedauert. Das lag auch an dem institutionellen Rassismus in der Ermittlungsarbeit“, sagt die Psychologiestudentin.

Der erste Stopp ist nur wenige Meter von der Haltstelle Carolaplatz entfernt. Hier steht ein Brunnen, der an den Dresdner Zirkus Sarrasani erinnert, der beim Bombenangriff 1945 völlig zerstört wurde. Ronja, die ebenfalls Psychologie studiert, erläutert nun die Bedeutung dieser Station. Es geht um den Zirkus am Höhepunkt des Kolonialismus, insbesondere um die „Völkerschauen“ im Zirkus. Immer wieder nutzen die Teilnehmer die Runde für Fragen und Beiträge. Während wir zur nächsten Station gehen, bietet sich die Möglichkeit für interessante Gespräche. „Ich finde das auch toll. Durch den Rundgang hat man immer Pausen, in denen man mit den Leuten reden kann. Ich genieße diese Dynamik“, meint Anna.

„Leider sehr einseitig“

Für mich geht es nach einer Stunde wieder an die Uni, für die anderen Teilnehmer weiter zum Japanischen Palais. Dort werden sie im Hof des Völkerkundemuseums Wissenswertes über die rassistische Wissenschaft der Völkerkunde hören. Vor der Yenidze soll dann über anti-muslimische Stimmungen und über den Tabak-und Schokoladenverkauf zur Kolonialzeit geredet werden. An der Frauenkirche wird der Rundgang zu Ende sein. Dort soll die „einseitige Dresdner Erinnerungspolitik“ thematisiert werden.

Was haben wir gelernt? Mir erging es wie vermutlich vielen Teilnehmern einer KRETA-Veranstaltung: Man hat am Anfang wenig Ahnung, um was es eigentlich gehen soll. Dieser Rundgang ist wirklich gelungen und empfehlenswert für Leute, die Lust haben auf neue politische und gesellschaftskritische Anreize. Ich jedenfalls bin auf sensibilisiert, was die Themen Kolonialzeit in Deutschland und Rassismus im Alltag angeht. Auch die Stadtführerinnen haben ihren Job gut gemacht und viele Denkanstöße mit auf den Weg gegeben, die aber meiner Meinung nach leider sehr einseitig ausgefallen sind. Sind wir denn wirklich alle von Kind auf rassistisch erzogen, nur weil wir mit „hautfarbenem Buntstift“ Hellrosa meinen?

Mehr über KRETA erfahrt ihr hier.

Text und Foto: Nerea Eschle

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