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Wir müssen reden: Dozent macht YouTube-Talkshow

Worum geht's? Dresden, Musikhochschule, Talkshow, YouTube

„Was ist eigentlich Heimat?“ Das hat sich Johannes Gerstengarbe, Dozent an der Musikhochschule, gefragt und dafür gleich mal eine ganze Talkshow auf YouTube ins Leben gerufen.

Johannes Gerstengarbe, Dozent an der Hochschule für Musik Dresden (HfM), ist es nicht egal, wie der Begriff Heimat interpretiert wird. „Ich finde, dass das Wort nicht zur Ausgrenzung von anderen Menschen verwendet werden sollte. Diese Tendenz konnte man aber weltweit in den letzten Jahren beobachten!“, erklärt er. „Für mich ist der Staat, in dem ich geboren worden bin, nicht unbedingt die Heimat, sondern der Ort, an dem ich gerade lebe und aktiv ein soziales Umfeld aufbaue. Ein Jahr zum Beispiel habe ich in Nashville gewohnt und mich dort sehr wohlgefühlt. Für jeden ist dieser Aspekt, was Heimat ist, aber anders“, sagt er und fährt fort: „Bei Flüchtlingen kann die Flucht natürlich zum Problem werden, da ein gezwungenes Verlassen des gewohnten Lebensumfeldes schwerwiegende Veränderungen und innere Herausforderungen für den Menschen bringt. Und genau da wollte ich ansetzen, denn wenn ein Mensch vor dem Krieg flieht, finde ich, muss man diesen auch aufnehmen und vor allem annehmen.“

In der Talk-Show, die er mit dem Journalisten Stephan Wiegand genau zu diesem Thema auf die Beine gestellt hat, sollen im Gespräch verschiedene Definitionen von Heimat diskutiert werden. Geplant sind mehrere Staffeln, sowohl vor Ort in den „Ballroom Studios Dresden“ als auch auf dem Youtube-Kanal des Projekts. Johannes Gerstengarbe hat im Team mit Studenten und Profis aus der Region sowie mit internationalen Musikern die Veranstaltung organisiert.

Die erste Sendung ist inzwischen auf Youtube mit dem Titel „Ballroom Talk # 1 – Heimat“ zu finden. Die teilnehmenden Talk-Gäste könnten unterschiedlicher nicht sein: Der toskanisch-bayrische Musiker Konstantin Wecker hat sich in der ersten Ballroom-Sendung eingebracht, nicht nur mit Musik, sondern auch mit seiner persönlichen Definition von Heimat, die er in der Poesie findet. Für die in Syrien geborene Sanaa Alsalek, die seit zweieinhalb Jahren in Dresden lebt und hier als Ingenieurin in einem kleinen Betrieb arbeitet, ist die Heimat Damaskus aufgrund der Zerstörung durch den Krieg auf ewig verloren. Auch Khaldun Al Saadi war dabei. Er hat jemenitische Wurzeln und engagiert sich in Sachsen in der muslimischen Community. Der in einem Ministerium in Dresden arbeitende gläubige Muslim findet Heimat hauptsächlich in der Sprache. Außerdem dabei war die Bundestagsabgeordnete Susann Rüttrich. Obwohl sie jetzt in Berlin lebt, hat sie  ihre Heimat in der Region um Meißen gefunden.  

„In der Talk-Show habe ich viele Definitionen von Heimat gehört, und das habe ich auch so erwartet“, berichtet Johannes Gerstengarbe. „Ich freue mich, dass wir mit diesem Videobeitrag jetzt das Thema Heimat ins Gespräch bringen können. Ganz viele Menschen fliehen, wie ich täglich beobachte, auch vor sich selbst. Das betrifft die geistige Flucht vor unangenehmen Lebenssituationen oder die Erkenntnis, wer man selber ist, beziehungsweise unterschiedliche Meinungen. Die nächste Sendung wird daher zum Thema Meinungsfreiheit stattfinden.“

Text: Marion N. Fiedler
Foto: PR

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