Schreib uns per WhatsApp: 0172 77 18 33 4

Kauf mich! Warum Werbung nur noch nervt

Werbung ist visuelle Umweltverschmutzung
In New York sieht man vor lauter Werbung kaum mehr, wofür eigentlich Reklame gemacht wird.

Worum geht’s? Studenten, Werbung, YouTube, Tom Cruise, Unboxing-Video, Secondhand

Überall blinkt und klimpert es, kaum sind wir online, ploppt ein Werbefenster auf. CAZ-Autorin Jennifer Georgi meint: „Werbung ist visuelle Umweltverschmutzung!“

WhatsApp will uns bald mit Werbung bombardieren. Warum das? Die Antwort darauf ist nicht schwer: Werbung hat nur ein Ziel, nämlich Geld aus unseren Taschen verschwinden zu lassen und zwar möglichst viel davon. Und dafür werden keine Kosten und Mühen gescheut und die Wege werden immer abstruser.

Dasselbe in Grün – alles bio?

So haben zum Beispiel eine Zeitlang Supermärkte und Tankstellen Duftsäulen aufgestellt, die angenehme Gerüche verbreiteten, da in unserem Gehirn bei einer Kombination aus Duft und Bild einige sehr wichtige Regionen aktiviert werden, die uns leichter zum Kauf veranlassen. Als Verbraucherschutzzentralen darauf aufmerksam wurden, verschwanden die ominösen Düfteversprüher wieder. Doch dafür wird nach wie vor sehr stark mit Farben gearbeitet. So haben zum Beispiel vermeintlich gesunde, nachhaltige Produkte oft eine grüne Verpackung, was uns Natürlichkeit und Frische suggeriert. Wer blickt dann schon genauer auf die Inhaltsstoffe?! Auch Bilder wie die Idylle, in der die Milkakuh glücklich grast, verschleiern die Wirklichkeit der Massentierhaltung.

Ist denn heut‘ schon Weihnachten?

Doch das alles funktioniert prächtig. Auch wenn man bewusst versucht, sich zu distanzieren, ist es schwer. Ein ganz wunderbarer Werbetrick ist die Arbeit mit sogenannten Spiegelneuronen. Wenn wir zum Beispiel durch Instagram, YouTube oder Film und Fernsehen streifen, sind nicht nur die für uns mittlerweile maßgeschneiderten Werbungen am Bildrand zu finden, die aufgrund unseres Verhaltens im Internet zusammengestellt wurden. Schon das bloße Angucken von Bildern, auf denen uns schöne Modelle mit coolen Kleidungsstücken, Rucksäcken, Uhren, Schmuck, Brillen oder in umwerfend schönen Landschaften entgegenlächeln, reicht, um in unserem Gehirn die Vorstellung zu erwecken, dass wir das Produkt unbedingt brauchen, weil es uns vermeintlich glücklich macht oder uns auch ein Stück weit in solch eine tolle Person wie auf dem Bild verwandelt. Das nutzen zum Beispiel YouTuber sehr gern mithilfe sogenannter Unboxing-Videos, in denen sie ihre neu erworbenen Produkte einfach vor der Kamera auspacken und der Zuschauer sich sofort vorstellt, wie er selbst das Produkt öffnet und verwendet.

Lieber mal gebraucht kaufen

Dass aber auch unscheinbare Werbung super fruchtet, zeigt uns zum Beispiel die Ray-Ban-Brille, die sich einst kaum verkaufte, bis in dem Kinofilm „Lockere Geschäfte“ Tom Cruise als cooler Typ mit der Brille auftrat. Kurz darauf hat sich der Absatz von Ray Ban um 50 Prozent gesteigert, da ab sofort viele Leute die Brille mit dem lässigen Geschäftsmann aus dem Film in Verbindung brachten.

Werbung ist in meinen Augen nicht nur visuelle, sondern auch psychische Verschmutzung. Ständig haben wir das Gefühl, etwas anderes haben zu wollen, weil wir es unbedingt brauchen. Dabei stimmt das oftmals gar nicht. Es ist nicht einfach, all dem zu entgehen. Und das ist auch gar nicht möglich und wäre überzogen. Aber zumindest kannst du versuchen, vor einem Kauf erst mal zu überlegen, ob du das Produkt wirklich brauchst – und das nicht nur für einen Tag oder einen Diskoabend, sondern längerfristig. Es wird so schon viel zu viel produziert und im Zuge dessen bergeweise weggeworfen, weil viele schon gar nicht mehr wissen, wohin mit all den Sachen und es außerdem mittlerweile fast mit mehr Aufwand verbunden ist, etwas reparieren zu lassen, als sich einfach etwas Neues zu kaufen. Dabei kann man so vieles auch gebraucht kaufen, zum Beispiel in einem Secondhand-Geschäft, und spart dabei auch noch eine Menge Geld. Es ist was dran: In vielen Fällen ist weniger (konsumieren) wirklich mehr (Lebensqualität).

Text: Jennifer Georgi
Foto: Pixabay/ed2456

Jetzt seid ihr dran: Wo geht ihr in Dresden gerne hin? Welche Musik und welche Bücher soll CAZ vorstellen und welche Kulturveranstaltungen ankündigen? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

Zurück

Um die Nutzung unserer Website zu erleichtern, verwenden wir „Cookies“ und die Analyse-Software „Matomo“ (ehemals Piwik). Unsere Website verwendet auch „Cookies von Drittanbietern“, um Funktionen für soziale Medien anbieten zu können. Mehr dazu ...