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Lesetipp: Von Fälschern und Freimaurern

"Der Friedhof in Prag" von Umberto Eco
"Der Friedhof in Prag" von Umberto Eco

Worum geht’s? Umberto Eco, Paris, Freimaurer, Verschwörungstheorien

Auf der Suche nach guten Büchern ist CAZ-Autorin Lisa Vetter diesen Monat auf den Roman „Der Friedhof in Prag“ von Umberto Eco gestoßen.

Der Friedhof in Prag ist 2011 in Deutschland erschienen und das vorletzte Werk des 2016 verstorbenen Autors und Universitätsprofessors Umberto Eco, vor allem bekannt durch seinen Roman „Der Name der Rose“.

Der Protagonist Simon Simonini ist ein Schlitzohr. Er lebt im Paris des 19. Jahrhunderts und verdient sein Geld mit dem professionellen Fälschen von Dokumenten. Simonini wird in die Machenschaften der Geheimdienste mehrerer Länder verstrickt und macht Freimaurer, Juden, Jesuiten und Revolutionäre zu Verschwörern. „Die Protokolle der Weisen von Zion“ sind das prominenteste Beispiel verschwörungstheoretischer Machenschaften zu dieser Zeit.

Der Roman handelt von den verworrenen europäischen Beziehungen, italienischer Revolutionsgeschichte und der unglaublichen Leichtgläubigkeit der Menschen. Jeder scheint hier genau zu wissen, wie der andere zu sein scheint. Spannend wird das Buch dadurch, dass der „Held“ dieser Geschichte nicht einmal weiß, wer er selbst ist: Eine gespaltene Persönlichkeit zwingt ihn dazu, Nachforschungen anzustellen und die eigene Geschichte zu rekapitulieren. Er verlässt sich zunächst auf die Dinge, die für ihn feststehen: nationale Klischees. „Die Deutschen habe ich kennengelernt, und ich habe sogar für sie gearbeitet: die denkbar niedrigste Stufe der Menschheit. Ein Deutscher produziert im Durchschnitt doppelt so viel Fäkalien wie ein Franzose.“

Simonini schreibt im Verlauf der Geschichte viele Texte, die später für wahr gehalten werden, sodass die Grenze zwischen Prosa und Tatsachenbericht immer weiter verschwimmt. Die Entstehung und Attraktivität von Verschwörungstheorien erscheinen einem zunehmend logisch in einer derart chaotischen Zeit. Der Leser ist auf einen ziemlich unzuverlässigen und häufig verkaterten Erzähler angewiesen. Dies macht den Roman zwar sehr amüsant, doch auch sehr verworren. Schließlich wird einem klar, dass wahr oder falsch nicht die richtigen Kategorien sind, mit denen man diesen Roman lesen sollte. Man ist dann doch kein Detektiv, sondern nur Zuschauer.

Kurz und knapp: ein intelligenter Roman, eine kleine Geschichtsstunde, zum Lachen und Nachdenken.

Text und Foto: Lisa Vetter

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