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Mitsingzentrale – Betreutes Singen mit Lagerfeuerromantik

Mitsingzentrale in der Scheune
Reentko Dirks (links) und Demian Kappenstein schrecken bei der Mitsingzentrale auch vor Michael-Jackson-Songs nicht zurück.

Worum geht’s? Mitsingzentrale, Musik, Scheune Dresden, Michael Jackson

Bei der „Mitsingzentrale“ in der Dresdner Scheune darf jeder dabei sein, ob musikalisch oder nicht. CAZ-Redakteurin Anne Nentwig hat mitgesungen und stellt euch das Konzept vor.

Wer kennt und liebt sie nicht, diese lauen Sommerabende, an denen man mit guten Freunden an der Elbe oder irgendwo am Lagerfeuer sitzt, irgendjemand plötzlich seine Gitarre auspackt und man sich einfach von der Energie des gemeinsamen Musizieren mitreißen lässt. Dieses Gefühl holen die beiden Dresdner Musiker Reentko Dirks und Demian Kappenstein bei ihrer Veranstaltungs-Reihe „Mitsingzentrale“ in den großen Scheune-Saal. Dabei geht es den beiden nicht in erster Linie um Perfektion, sondern vor allem um den Spaß an der Sache und das therapeutische Gefühl, welches sich beim gemeinsamen Singen irgendwie so ganz selbstverständlich einstelle, erklärt Demian backstage.

Dieses Gefühl möchten die beiden möglichst viele Menschen geben, auch jenen, die es oft nicht so leicht haben, Teil unserer Gesellschaft zu sein. Seit Dezember besteht daher eine Partnerschaft mit dem Kinderheim Dresden und der Obdachlosenhilfe Dresden, für die am Ende jedes Abends gespendet werden kann und denen stets ein Kontingent an Freikarten gestellt wird. Insgesamt ist das Publikum in der Regel bunt gemischt. Leidenschaftliche Hobby-Sänger, heimliche Supertalente, aber auch der gemeine „Heimlich-unter-der-Dusche-Sänger“ – beim sogenannten „betreuten Singen“ findet jeder seinen Platz am knisternden Elektro-Lagerfeuer, auch treffen mittlerweile Vertreter aus jeder Generation im runden Sitzkreis aufeinander.

Ähnlich verhält es sich beim Genre-Repertoire der Songs: Rock und Pop aus den 70ern, 80ern und 90ern treffen auf R‘n‘B, Hip Hop und aktuelle Charts und manchmal schallt sogar Deutschrap durch den Saal. Für den Einstieg bringen Reentko und Demian, die sich übrigens bereits aus Studienzeiten kennen, meist ein paar Vorschläge mit. Alles, was dann kommt, variiert dann bei jeder Veranstaltung und ist ganz abhängig vom Publikum, welches bei der „Mitsingzentrale“ immer aktiv mit einbezogen wird. „Wir haben keine Ahnung, was heute passiert“, versicherte Reentko bei der ersten Veranstaltung in diesem Jahr, „aber das ist es eben, was uns von anderen Sing-Kreisen oder Chören unterscheidet“.

Die Idee zum „betreuten Singen“ hatten die beiden schon einige Jahre auf dem Radar. Sie entstand eigentlich aus den spontanen Sessions heraus, die sie oft mit Freunden und Bekannten nach gemeinsamen Konzerten starteten. Schnell stellten sie fest, dass man hierbei eine ganz besondere Verbindung spürt und selbst mit Fremden schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommt, wenn es zum Beispiel darum geht, den „krassesten Trennungssong aus der Jugend“ zu spielen.

Reentko beherrscht auf seiner Gitarre übrigens annähernd 2000 verschiedene Songs, die er sich über viele Jahre hinweg durchs Radio bzw. Musikfernsehen aneignete und verinnerlichte. Um den passenden Beat kümmert sich Schlagzeuger Demian auf dem Cajón, einem Schlaginstrument aus Peru. Er führt auch als sehr unterhaltsamer Moderator durch den Abend, an dem stets nur zwei Regeln gelten: 1. Es gibt keine schlechten Vorschläge, und 2. Beeilt euch!“. Die zweite Regel bezieht sich dabei übrigens nicht auf das Singe-Tempo, sondern auf die Zeit, die sich das Publikum maximal nehmen sollte, um seine Hemmungen fallen zu lassen.

Mit der Herausforderung „Michael Jackson ist unsingbar“ kitzeln die beiden Musiker bereits am Anfang viel aus dem Publikum heraus, wodurch hier bereits besagte Hemmungen nach den ersten Startschwierigkeiten bei „Beat it“ fallen. Auf Zuruf switchen plötzlich alle in die deutsche Übersetzung des Hits und trällern unbeirrt den Refrain: „Hau ab, Hau ab, Hauuuu einfach ab“. Zwei weitere Jackson-Songs später geht es mit den Backstreet Boys und den Hits der Neuen Deutschen Welle weiter im Programm. Auf „Goldener Reiter“ folgen die Puhdys, womit die erste Runde „Wunschball“ eröffnet wird.

Die Regeln dazu sind einfach: Solange die Musik spielt, fliegt ein Wasserball durch die Menge, sobald sie jedoch verstummt, darf bzw. muss derjenige, der den Ball gerade hat, einen Musikwunsch abgeben. In der Pause darf das übrigens jeder. Im Verlauf des Abends ertönen zahlreiche Hits der Musikgeschichte, teils in abgeänderter Form, wie Leonard Cohens Text von „Halleluja“ zur Melodie von „Zombie“. Außerdem überraschen Reentko und Demian mit zwei vorbereiteten „Medleys“ mit One-Hit-Wundern und Deutschrap-Hits der Fantastischen Vier und von Deichkind. Nach zweimaliger Zugabe verlassen schließlich alle Gäste glücklich den Saal, die meisten haben sich bereits Karten für die nächste Mitsingzentrale am 13. März gesichert. Wer von euch nun also Lust auf einen unterhaltsamen Mitsing-Abend hat, sollte sich sputen.

Text: Anne Nentwig
Foto: PR

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