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Andreas Moe: „Before The Rumble Comes“

Songwriter Andreas Moe hat Neuigkeiten. Die hat er auf 13 Tracks gepackt, die sein neues Album „Before the Rumble Comes“ ausmachen. CAZ-Musikredakteurin Marion Fiedler hat reingehört.

 

 

 

 

 

 

Wenn man seine Biographie recherchiert, wird schnell klar, dass der Schwede nicht nur für einen bestimmten Stil einsteht. Seit seiner Kindheit schrieb und performte er, hauptsächlich in seiner Heimatstadt Stockholm. Musik gemacht hat er schon mit dem schwedischen DJ Avicii oder als inzwischen gut gefragter Sessionmusiker für verschiedenste Formationen. Wenn man sich den Sound der aktuellen Platte anhört, überrascht es einen, dass Andreas Moe auch für harte Bands gefragter Songwriter und Studiomusiker ist.

Mit 23 Jahren jedenfalls hatte der schwedische Songwriter bereits einen Publishing-Deal für seine Kompositionen in der Tasche und drei Jahre später nahm ihn Sony unter Vertrag. Und ab da kam für den jungen Stockholmer ein Stein ins Rollen. Die Arbeit am aktuellen Album, auf dem Andreas Moe fast alle im übrigen selbst geschriebenen Stücke instrumental einspielte und coproduzierte, begann. Nur wenige Gastmusiker sind auf der Platte zu hören. Auch ging für ihn auf dem Weg zum Release ein Traum in Erfüllung: 2014 durfte Andreas Moe für sein Vorbild John Mayer in der ausverkauften O2 Arena in London ein Eröffnungskonzert spielen.

Sein aktuelles Album beziehungsweise das internationale Debut habe ich durch Zufall entdeckt. Gleich beim ersten Song hielt ich inne. Verspielte Gitarrenriffs und Gesangslinien, gepaart mit kreativen instrumentalen Sounds, die den Song tiefgründig und mystisch machen. Gleichermaßen strahlt die Musik durch ein mal aufbauschendes, mal stampfendes Schlagzeug eine Stärke und ein unerschütterlich scheinendes Selbstbewusstsein aus. Die Stimmung des Liedes bleibt dennoch überwiegend fragil. Zum einen, weil der Text schön und tiefgründig nachschwingt. Aber auch weil Andreas Moe seinen kraftvollen Refrain und den starken Hook mit zarten Gesangspassagen, wie im hauchig und mit zarter Kopfstimme gesungenen Zwischenteil, abwechselt.

„Before the Rumble Comes“ ist das erste von 13 schönen Liedern. Die Musik des Albums schafft es, eine einladend warme Atmosphäre auszustrahlen, wenngleich die Texte nicht nur schattenfreie Geschichten erzählen. Der Kontrast zwischen Dunkelheit und Licht, fröhlich tanzender Liebe und sich verzehrender Sehnsucht, zwischen Kraft und Verzweiflung zieht einen irgendwie in die Lieder hinein. Die Songs sind alle kreativ phrasiert und arrangiert, packend gesungen und eingespielt. Jedes ist auf seine ganz eigene Weise kraftvoll. Das Zusammenspiel aller Emotionen ist es aber, die dieses Album zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, zu dem man wieder und wieder zurückkehren möchte.

In „All We Know“ singt Andreas Moe in schönen und eingängigen Melodien von einer Revolution, die im Herzen beginnen kann, wenn man sich seinen eigenen Ängsten stellt. Das Lied „Ocean“ ist ein Liebeslied, welches vom Loslassen handelt. Wie in vielen Andreas-Moe-Songs spielt das Element Wasser hier eine Rolle. In „Ocean“ darf der Fluss zu einem Ozean wachsen, während parallel die Liebe wächst. Einfach durch Fallenlassen, durch Wahrheit, durch Mut. Ein noch intensiveres Statement zum Thema Liebe hört man in „Borderline“ durchschimmern. Andreas Moe formuliert in jenem Song die Grenze aus, die Paare überschreiten, wenn sie Auseinandersetzungen als Grundlage zum Wachsen und Stärkerwerden annehmen.

Im Song „Tangled Vine“ nimmt das Wasser eine traurige Funktion und Form an – „Sein Schiff lag zerschellt an der Küste, keine Seele überlebte, nur in ihrer Seele“. In ergreifenden Worten besingt Andreas Moe die Geschichte einer Frau, die die Erinnerung an ihren Mann lebendig hält und sich einer neuen Liebe verwehrt. Das Wasser gefriert den Boden unter den Füßen, doch er rennt nicht. Er schaut zu, wie sie auf den Ozean starrt. Er beobachtet, wie ihre Rosen nicht weiter ranken. Sie umschlingt ihn. Je mehr er sich versucht abzuwinden, desto tiefer schlagen die Dornen – dieses Lied ist vielleicht der am tiefsten gehende Song der Platte.

Die Sehnsucht nach einer nicht erreichbaren Frau hören wir in „Step Down From It“ – wenn die Liebe dich wie ein Verlierer fühlen lässt, bleibt dir nichts anderes übrig, als dass du sie bittest, dir etwas entgegenzukommen. „Frozen River“ führt diesen Gedanken zu Ende – „tauch einfach in die Dunkelheit ein, wehre dich nicht, denn jeder Fluss findet seine Küste“. Richtig zum Abschied kommt es erst in „Yesterdays My Town“. Das schöne Blumenbeet von Marie Louise hat sich in ein Unkrautgewusel umgewandelt und die Liebe in schwere Herzen und Einbahnstraßen. Ein kurzes, gefühlvolles Lied mit erneut schönen und tiefgründigen Metaphern. In „How Many Miles Away“ trauern die Worte um unverzeihliche Fehler – „Wie viele Meilen muss ich gehen, bis ich dort ankomme, wo ich nicht mehr meinen Namen kenne. Sag mir welches Flugzeug ich nehmen soll, um höher zu fliegen als all die Missgriffe, die ich gemacht habe“.

Ähnlich besingt „Cecilia“, dass ein Verlieben nach einer schmerzvollen Trennung schwierig ist: „Ich spüre deinen Körper durch mein Shirt, ich spüre deine Hitze so sehr, dass es weh tut – wir dürfen uns nie von diesem Feuer abwenden.“ Eine weitere Version dieses Themas erahnt man in „Second Wind“. Andreas Moe singt von der Rettung vorm stürzenden Regen und wie er gemeinsam mit seiner Liebe den Sturm weggetanzt hat. „Das Eis schmilzt, ich spüre den Fluss – ich nehme an, mein Herz war einfach nur im Winterschlaf. Nicht tot, einfach nur in einem Loch vergraben.“

Der Song „Beautiful but Breakable“ fasst das Album wunderbar zusammen. Die dort beschriebene Liebe ist intensiv, nimmt dir den Atem, ist aus der Dunkelheit geboren, sie beschert uns wertvolle Momente und lässt uns tanzen. Die Liebe ist gleichermaßen stark wie auch fragil. So wie Andreas Moe die Liebe beschreibt, ist auch sein Album geworden. Vielschichtig, tiefgründig, menschlich. Authentisch, denn bei ihm werden die Schönheiten nicht ohne die Schatten geboren, die notwendig sind, um ein Licht oder Feuer zu entfachen.

Auch für das neue Jahr hat Andreas Moe eine gute Neuigkeit. In „This Year“ besingt er, dass man unabhängig von gut formulierten Neujahrsvorsätzen vor allem anfangen sollte, endlich zu leben, Chancen zu ergreifen oder einfach nur neue Lebensabschnitte zu beginnen. Auch wenn man dabei vielleicht scheitern wird. „We’ll make the rules up as we go – and break them as we go“ – mit dieser Einstellung wird auch Andreas Moe in ein vielversprechendes 2016 starten können.

Text: Marion N. Fiedler

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