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Newcomer-Tipp: Josef Salvat – Der Gauner mit Herz

Wer vom internationalen Newcomer Josef Salvat noch nichts gehört hat, sollte mal in seine Musik reinhören. Er ist definitiv anders drauf als seine Kollegen im Elektropop-Sektor.

Nach dem erfolgreichen Rihanna-Cover „Diamonds“ entpuppt sich auch sein eigenes Album „Night Swim“ (Sony) als eine Platte mit eigenem Sound und einer interessanten künstlerischen Haltung. Josef Salvat hat mit seinen Produzenten vor allem ein kleines Stück Gesellschaftskritik zu den Themen Ehrlichkeit, Geltungsbedürftigkeit, Fassade und Abgrund erschaffen.

„Night Swim“ ist ein Album, was dich nicht mehr loslässt. Nicht nur wegen des schönen Klangs, auch dank der Geschichten zwischen den Zeilen.

Entgegen der vielen schönen akustisch gehaltenen Aufnahmen um die Veröffentlichung herum überrascht die Platte an sich als schönes, glattes, mit kontrastierenden Facetten interessant arrangiertes und fast zu perfekt eingesungenes Elektropop-Album.

In den eigenen Songs schwingt die Stimme des 27-Jährigen unforciert, aber nicht minder emotional. Josef Salvat hat eine Stimme, die man sofort wiedererkennt. Sie wirkt geerdet, sortiert, sauber, glatt. Und unterstützt das klangliche und visuelle Image des hübschen Boyfriends, den man getrost seiner Großmutter vorstellen darf. Doch Mister Perfect ist nicht der, der er zu sein scheint. Zumindest nicht in seinen Songs.

Die positiv sortierten und durchaus attraktiven Eigenschaften von Josef und seiner Stimme werden auf „Night Swim“ durch die Liedtexte und das Album-Artwork wieder entblößt. Kabumm, kaputt. Man gleitet in seinem Gesamteindruck durch ein verlassenes Schloss, in dem der junge Mann allein versauert, hört sich Geschichten um gebrochene Herzen an und denkt darüber nach, wieso seine Mädchen diesen Mann ausgehalten haben. Ein Widerspruch, der der gesamten Platte einen interessanten Moment schenkt. Man lauscht noch einmal genauer hin, lehnt sich zurück, versucht sich die Person hinter den Songs vorzustellen – und hält stets zwei Charaktere in seinem Kopfkino fest. Einmal den fast schüchternen jungen, eleganten Mann, der weiß, wo er hin will und seinen Weg geht. Doch dann kommen die Songs wie „Hustler“, die das songpoetische Ich als Betrüger mit gefährlichen Spieltaktiken vorstellt. Als Mann, der den Körper eines Lovers hat, aber die Fantasie eines Masochisten. Er schämt sich, aber er verfolgt den dunklen Weg, von dem er wieder und wieder beim Namen gerufen wird.

Dem Label Sony ist es mit dieser Veröffentlichung gelungen, einen Charakter vorzustellen, bei dem man nicht genau weiß, ob man ihn mögen soll oder nicht. Mit Josef Salvat wurde allerdings ein Künstler gefunden, der all diese Widersprüche künstlerisch tragen und interpretieren kann. Wir bleiben gespannt, ob die Schale des durchaus fragilen Sängers noch aufbricht oder ob die Story (übrigens auch wunderbar im Video zur Single „Open Season“ dargestellt) noch weitergeht.

Der Widerspruch auf „Night Swim“ jedenfalls hat mich viele Monate an diesem tiefgründigen Album festkleben lassen. Hört mal rein!

Hier geht es zur Website des Sängers.

Text: Marion N. Fiedler

Foto: PR

 

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